Gerhard Richter : Der Ölpreis steigt

Gerhard Richter ist der begehrteste Künstler der Gegenwart. Sein „Abstraktes Bild“ wurde für 41 Millionen Euro versteigert.

von
In welcher privaten Sammlung wird dieses Gemälde künftig hängen? Vorbesichtigung des Rekordgemäldes bei Sotheby's im Januar.
In welcher privaten Sammlung wird dieses Gemälde künftig hängen? Vorbesichtigung des Rekordgemäldes bei Sotheby's im Januar.Foto: dpa/Andy Rain

Das Los mit der Nummer 37 war das Highlight des Abends. Die Experten des Auktionshauses Sotheby’s hatten „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter auf 27 Millionen Euro geschätzt. Der Hammer fiel an diesem Abend bei 41 Millionen Euro. Der Zuschlag für das Ölgemälde mit den schrillen Farben ging an einen anonymen Bieter, mehr verraten die Londoner Kunsthändler nicht. Klar ist aber: Nie zuvor ist so viel für ein Werk von Gerhard Richter bezahlt worden. Und es gibt nur einen lebenden Künstler, der das toppen kann: Jeff Koons. Der orange „Balloon Dog“ des 60-Jährigen New Yorkers brachte 2013 sagenhafte 43 Millionen Euro ein.

Der 1932 in Dresden geborene Richter ist einer Rangliste zufolge im Moment der begehrteste Gegenwartskünstler der Welt. Seine Werke brachten nach einer 2014 veröffentlichten Auswertung der Internet-Kunstdatenbank Artnet insgesamt 558 Millionen Euro ein. An Platz zwei steht der chinesischer Maler Zeng Fanzhi mit 148 Millionen, an dritter Stelle folgt Jeff Koons mit 142 Millionen Euro. Das heißt: Für Koons ultraglänzende Skulptur in Form eines aufblasbaren Hundes ist zwar der bisher höchste Betrag bezahlt worden, insgesamt kamen von Richter aber sehr viel mehr Werke auf den Markt. 740, um genau zu sein. Dass Richter, der im Februar 83 geworden ist, obsessiv gearbeitet hat, trägt wohl dazu bei. Ähnlich produktiv sind vor allem chinesische Künstler, allen voran der Kunstunternehmer Takashi Murakami. Für seine Werke fiel 1528 mal der Hammer. Mit einem Verkaufserlös von umgerechnet knapp 50 Millionen Euro erreicht er aber lediglich Platz 18 unter den Top 100 der lebenden Künstler.

Schon Gerhard Richters "Kerze" brachte 10 Millionen Euro

Im Markt für zeitgenössische Kunst lassen sich derzeit beachtliche Wertsteigerungen erzielen. An den schwindelerregenden Auktionsergebnissen für Richter-Werke kann man das gut ablesen. Bereits 2008 hielt Richter den Titel teuerster lebender Künstler, und zwar weil eines seiner Kerzenbilder (Richter malte in einem Jahr 25 Stück davon) für 10 Millionen Euro über den Tisch ging. Im Mai 2012 lag der höchste Preis für ein Richter-Gemälde bei 16 Millionen Euro. Noch im selben Jahr ging bei Sotheby’s ein „Abstraktes Bild“ für 26 Millionen Euro weg. 2013 bezahlte ein Sammler 29 Millionen Euro für „Domplatz Mailand“. Nun steht der Höchstwert bei 41 Millionen. Das Ende der Fahnenstange ist vermutlich immer noch nicht erreicht. Es mag in Deutschland wenig Sammler geben, die nur wegen der Rendite Kunst kaufen und verkaufen. In London und New York gibt es sie durchaus.

2014 meldeten Sotheby’s und Christie’s, die beiden Platzhirsche im weltweiten Auktionsgeschäft, Verkaufsrekorde. Die Umsätze der beiden Erzrivalen lagen so hoch wie nie. Im Moment wird Kunst gekauft wie verrückt, die Zinsen sind niedrig, Geld auf der Bank zu lassen, wirft wenig ab. Wer Millionen auf dem Konto hat, sieht sich also besser nach lukrativeren Renditemöglichkeiten um. Und die verspricht der Kunstmarkt. Der traurige Fall der zwei verkauften Bilder von Andy Warhol aus dem Bestand der Aachener Spielbank zeigt, was möglich ist: 133 Millionen Euro brachten bei Christie’s die Werke „Triple Elvis“ und „Four Marlons“, beides Ikonen der Kunstgeschichte. Gekauft hatte sie der Kasinobetreiber Westspiel in den 1970er-Jahren für 185 000 D-Mark.

Das abstrakte Richter-Gemälde von 1986, das nun in London für gute Stimmung sorgte, ist ein kapitales Werk des Künstlers, weil es in der Reihe der abstrakten Gemälde, die Richter seit Beginn der 1980er Jahre schuf, eine neue Richtung markiert. Richter kombiniert hier Rakel und Pinsel, Farbkomposition und Zufall. Es soll eines seiner Lieblingsbilder gewesen sein. Außerdem ist es mit einem Umfang von drei auf zweieinhalb Metern eines der größten Gemälde in der Reihe. Auch das macht es wertvoll.

Laut der von Sotheby’s veröffentlichten Provenienz erwarben es die Kölner Kunstsammler Michael und Eleonore Stoffel direkt vom Künstler. Das monumentale Bild hing etliche Jahre als Leihgabe im Museum Ludwig in Köln. 1999 wurde es bei Sotheby’s in New York versteigert. Noch zu Mauerzeiten war es im im Alten Museum in Berlin ausgestellt. Man zeigte es damals im Rahmen der Ausstellung „Malerei aus der Bundesrepublik“. Den Weltrekord hält übrigens ein anderer: Das Auktionshaus Christie’s hat Francis Bacons Triptychon „Three Studies of Lucian Freud“ im Jahr 2013 für 106 Millionen Euro verkauft.

2 Kommentare

Neuester Kommentar