Kultur : Gesegneter Gouvernator

Eine

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von Axel Vornbäumen

Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari hat angesichts der Ablehnung des Gnadengesuchs für den mit Giftspritze hingerichteten Stanley „Tookie“ Williams durch den kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger unlängst zu Protokoll gegeben: „Wir können uns nicht jedes Mal aus Österreich zu Wort melden, wenn irgendwo auf dieser Welt eine Menschenrechtsverletzung passiert.“

Respekt, Eminenz! So kommt man daheim leichter durchs Leben, auch wenn andernorts welche hopsgehen. Die Welt, zu groß und allemal zu unübersichtlich, als dass es sich lohnte, im Einzelfall an ihr zu verzweifeln. Das ist bislang mit Abstand nicht nur das engagierteste, sondern auch das erbärmlichste Plädoyer für ein „Augen zu und durch“, das gegenwärtig auf dem Markt der Meinungen zu finden ist. Eine Empfehlung gesegneten Desinteresses gegenüber dem Tun vermeintlich unantastbarer Autoritäten: Tu felix Austria, tace!

Es macht die Sache in sich zwar nicht plausibler, dass Egon Kapellari allein qua Funktion als wackerer Kämpfer gegen die Tötung ungeborenen Lebens zu Felde zieht – bigotter macht es sie indes schon. Bis zum Beweis des Gegenteils darf dem Grazer Gottesmann ab sofort getrost klammheimliches Verständnis für den gnadenlosen Gouverneur unterstellt werden. Wahrscheinlich hält Bischof Kapellari Arnold Schwarzenegger immer noch für einen „großen Sohn der Stadt Graz“, ein, zwei Giftspritzen mehr oder weniger kratzen da nicht weiter am Image.

Könnte allerdings sein, der Bischof steht mit seinem milden Desinteresse bald alleine da. In Graz ist die Diskussion nämlich angelaufen, wie viel Stolz sich die Heimatstadt Schwarzeneggers auf Dauer noch wird leisten können. Im Rathaus, so heißt es, zeichne sich bereits eine Mehrheit ab, das heimische Arnold-Schwarzenegger-Stadion umzubenennen. Der für Liegenschaften zuständige Stadtrat bat bereits allfällig um Sponsorensuche. Bis zum Frühjahr solle eine Lösung gefunden werden, „die auch den positiven Werbewert nutzt“. Der Vorschlag der Grazer Grünen, das Stadion gerechtigkeitshalber gleich in „Tookie-Williams-Stadion“ umzutaufen gilt im Übrigen als genauso aussichtslos, wie Vorstöße, Schwarzenegger die „Ehrenbürgerschaft“ abzuerkennen.

Ein bisschen Stolz also darf bleiben, auf Arnold, den Gouvernator.

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