Kultur : Gläsernes Schweigen

In den siebziger Jahren, als seine Musik im Konzertsaal Präsenz zu gewinnen begann, prägte Wolfgang Rihm das Schlagwort vom "inklusiven Komponieren", das auf eine Musik zielt, die nichts aus-, sondern im Gegenteil alles einschließt, eine Musik, die sich nicht in formelhafter Stilreinheit artikuliert, sondern ihren Verlauf aus heterogensten Impulsen zusammenzwingt.Das Widersprüchliche wird dabei Programm, und es artikuliert sich gleichermaßen in Rihms "Silence to be beaten", wie in der harten Fügung, mit der die Werke anderer Komponisten in diesem von Wolfgang Rihm "komponierten" Programm der Konzertreihe "Woher-Wohin?" aufeinander treffen.Das Ensemble United Berlin mit seinem Dirigenten Michael Hirsch möchte die einzelnen Werke nicht voneinander isolieren und spielt so die beiden Konzerthälften ohne Unterbrechungen.Der intendierte Hörzusammenhang stellte sich ein, vielleicht sogar in einer viel zu glatten Weise, fast widerspruchslos entwickelte sich so das Programm von Schönbergs zunächst wild auffahrenden und schließlich gläsern ausklingenden drei Orchesterstücken von 1912 zu seinen dieses Gläserne thematisierenden "Herzgewächsen", zu filigranen Farbenposie von Strawinskys "Drei japanischen Gesängen", deren sich ausschwingender Gestik "Dérive 1" von Pierre Boulez antwortet, eine Arabeske von sich endlos verschlingenden ornamentalen Gesten, Klangzeichen, wie sie dann in den folgenden ausgedünnten Werken von Cage, Killmayer und Lachenmann etwas immer Fremdartigeres gewinnen.John Adams "Chamber Symphony", die die zwanghaft treibende Motorik von Rihms "Silence to be beaten" in einen urban pulsierenden Klangfluß verwandelte, sorgte schließlich für den furiosen Abschluß - ein großes Stück, dessen überaus anspruchsvolle Partitur vom Ensemble UnitedBerlin verblüffend virtuos gemeistert wurde. wilk

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