Kultur : Glanz von innen

NICOLA KUHN

Im Konzert der Berliner Museen ist eine Stimme zurückgekehrt, die zwar nie zu den dominanten gehört hat, als Verstärkung des Basso continuo jedoch im vergangenen Jahr deutlich fehlte: die Friedrichswerdersche Kirche.Seit gestern ist sie der Öffentlichkeit wieder zurückgegeben, zusammen mit einer neugeordneten Skulpturenausstellung.Während von außen die Bauplane noch um den Schinkelbau flattert und der Besucher durch Baugerüst hindurch den Kirchenraum betreten muß, strahlt er von innen in einem Glanz, wie er der ursprünglichen Idee des Baumeisters wohl am nächsten kommt.Die beiden großen Radleuchter sind aus dem Gewölbe entfernt, die Heizungkörper verschwanden, und das Kassenhäuschen ist durch einen wesentlich diskreteren Verkaufstresen ersetzt.

Mit der Erneuerung des Außenbaus wird man sich allerdings noch ein weiteres Jahr gedulden müssen, denn die durch Witterungseinflüsse stark beschädigte Fassade kann nur Stück für Stück, genauer: Ziegel für Ziegel, ersetzt werden.Als vor elf Jahren die ehemalige Kirche zur 750-Jahr-Feier in Ost-Berlin als Museum hergerichtet wurde, war es noch nicht möglich, die legendären Schinkel-Ziegel in ihrer besonderen Farbe und Konsistenz wieder herzustellen.Die Folge: Abplatzungen an den neuen Steinen, aber auch Beschädigungen an den alten.

Mit der Wiedereröffnung der Friedrichswerderschen Kirche ist in Berlin neben dem Schauspielhaus und der Neuen Wache nicht nur ein weiterer Bau Schinkels wieder zugänglich geworden.Es ist auch der einzige, der nicht nur äußerlich, sondern auch in der Innengestaltung weitgehend sein Aussehen bewahrt hat.Von daher ist es programmatisch, wenn die Alte Nationalgalerie gerade an diesem Ort ihre Skulpturen der Schinkelzeit präsentiert.Zu den dort bereits vor der Sanierung gezeigten Werken sind nun der Originalgips Schadows zum "Doppelbildnis der Prinzessinnen Luise und Friederike von Preußen", Theodor Kalides "Bacchantin auf dem Panther" und Emil Wolffs "Badende" hinzugekommen.

Mit dem zurückgewonnenen Ausstellungsraum und der neuen dauerhaften Aufstellung klassizistischer Skulpturen bekommt der Besucher zugleich eine Überraschung geboten: eine Fotoausstellung mit Aufnahmen des geteilten Berlins in den Jahren 1961 bis 1968.Nicht aus Raummangel landete die zuvor großzügig im Münchner Haus der Kunst präsentierte Ausstellung im Gehäuse des 19.Jahrhunderts und entsprechend skulpturaler Gesellschaft, sondern als Tribut an die Umgebung.Gleich nebenan entstanden die meisten Fotos des schwedischen Fotografen Bernard Larsson, der als "Mauerspringer" das Leben der Menschen in Ost und West beobachtete.

Den hervorragenden Bildern wäre ein anderer Rahmen zu wünschen gewesen.So hängen sie wenig orginell an Baugerüsten unter die Empore gequetscht, um nicht den Raumeindruck zu stören.Da helfen auch keine Blickbezüge von der Grabplastik Königin Luises zum ermordeten Rudi Dutschke oder die Querverbindung zwischen Büsten von Denkern und Dichtern des 19.Jahrhunderts zu Fotoporträts von Intellektuellen der sechziger Jahre.

Friedrichswerdersche Kirche, Werderstraße, bis 29.November; Dienstag bis Donnerstag 10-18 Uhr.

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