Kultur : Götter und Gehilfen

Steffen Richter

„Halbgötter“ nennt Lucien Leitess die Übersetzer. Was der Leiter des Zürcher Unionsverlags sagt, ist Balsam auf wunde Seelen. Denn meist werden Übersetzer nur wahrgenommen, wenn ihnen etwas misslingt. Leitess hat im letzten Jahr die „Übersetzerbarke“ bekommen. Die verleiht der Verband deutschsprachiger Übersetzer an Verlage, die ihre Sprach-Vermittler als das behandeln, was sie sind: Urheber.

Der Unionsverlag druckt die Namen und Biografien seiner Übersetzer auf den Umschlagseiten ab – wie die der Autoren. Wer Herman Melvilles „Pierre“ oder Shakespeares Sonette liest, liest eben nicht nur Melville oder Shakespeare, sondern auch Christa Schuenkes Übertragung. Am 24.5. (16 Uhr) erfährt man aus Anlass des Übersetzertages im Literarischen Colloquium , wie es in Übersetzer-Werkstätten zugeht, in denen Lyrik, Sachbücher und historische Romane entstehen. Später (20 Uhr) diskutieren Marcus Ingendaay , Katja Lange-Müller , Jan Wagner und Anne Weber , Autoren, die selbst übersetzt haben, worin sich Schreiben und Übersetzen unterscheidet.

Die Japanerin Yoko Tawada , die seit 1982 in Hamburg lebt, hat sich ihr schier unermessliches Spracherstaunen als poetische Ressource bewahrt. Ihr Band „Überseezungen“ (Konkursbuch) klingt nicht zufällig nach „Übersetzungen“. Wie die Britin Magdalen Nabb (14 Uhr), die Mexikanerin Carmen Boullosa (13 Uhr) oder die Russin Ljudmila Ulitzkaja (17 Uhr) liest Tawada am 28.5. (15 Uhr 30) beim Berliner Bücherfest , das am Wochenende auf dem Bebelplatz an der Staatsoper stattfindet.

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