Kultur : Göttin, Sohn und Eitelkeit Amor und Psyche in der Abguss-Sammlung

Jens Hinrichsen

Sie ist eine Königstochter, überirdisch schön. Aber eben nur ein Menschenkind, dessen Schönheit die Göttin Venus herausfordert. Er ist Venus’ Sohn, von der Mutter beauftragt, die Rivalin zu bestrafen. Doch sollte man sowas nicht machen: den eigenen Sohn zu einer Frau zu schicken, die einem selbst nicht ohne Grund gefährlich wird. Der junge Gott verliebt sich. Die Schöne muss daraufhin harte Prüfungen bestehen, bis Venus der Verbindung von Amor und Psyche nicht mehr im Weg steht. In zwölf Bildern schmückt ein Satz Grisaille-Tapeten den antiken Mythos aus. Sie wurden nach Motiven zweier französischer Maler 1815 in der Pariser Manufaktur Joseph Dufour gedruckt. Nun konfrontiert die Abguss- Sammlung Antiker Plastik die Bildtapeten mit Statuenrepliken um das legendäre Liebespaar.

Antikes Sujet, neuzeitliche Wohnkultur: Selten beschränken sich die zwölf Bilderzählungen auf die Handlung des lateinischen Romans von Apuleius oder die literarische Gestaltung von Jean de La Fontaine (1669). Allein das Gruppenbild „Psyche im Bad“ folgt den Vorlagen, illustriert Psyches hybride Anstrengungen, Venus zu gleichen – bebildert wird damit der Ausgangspunkt der Rivalität beider Frauen. Das Happy End in den Wolken wird aber so explizit-erotisch in den literarischen Quellen nicht beschrieben: Amor hat Pfeilköcher und Bogen beiseite gelegt und beginnt, Psyches Gürtel zu lösen. Die Tapeten zeigen romantische, reich ausgeschmückte Variationen der Geschichte, die in den antiken Statuen eine schlichtere, oft intimere Gestalt gefunden hat. Unnachahmlich innig wirkt der Kuss der „Amor und Psyche“-Gruppe aus dem Kapitolinischen Museum in Rom. Der Betrachter wird beinahe zum Voyeur. Jens Hinrichsen

Abguss-Sammlung, Schloßstraße 69b, bis 26. April, Do-So 14-17 Uhr

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