Kultur : Goldener Löwe für Architekt Alvaro Siza

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Den Pritzker-Preis hat er schon vor 20 Jahren erhalten, der Praemium Imperiale folgte vor der Jahrtausendwende. Jetzt wird Alvaro Siza Vieira mit dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig für sein Lebenswerk ausgezeichnet – die wohl ehrenvollste Auszeichnung. Schließlich geht sie auf Kollegeninitiative zurück, hier David Chipperfield, Direktor der Ende August öffnenden Biennale.

Alvaro Siza ist ein architect’s architect, einer der stillen, aber der beständigsten. Geboren 1933 in einem Vorort des nordportugiesischen Porto, dieser arbeitsamen Stadt des Handels und des Fußballs, machte er sich mit Schwimmbädern einen (regionalen) Namen. Erst während der Nelkenrevolution 1974/75 konnte er richtig loslegen. Mit seinen ersten Projekten, zwei Sozialsiedlungen in Porto, zeigte er sich auf der Höhe des europäischen Architekturmoderne. Siza blieb stets streng, klar, minimalistisch; was seinem Berlin-Kreuzberger Sozialbau von 1984 ob der arg gleichförmigen Fassade das Graffito „Bonjour tristesse“ eintrug. Dabei sind seine Bauten keineswegs trist, sondern nur unaufgeregt – etwa die kubische Stadtbibliothek von Viana do Castelo oder die Mehrzweckhalle von Gondomar, beide in seinem Heimatland. Siza kann hervorragend mit Beton umgehen, ohne ihn über Gebühr herauszustellen. Backstein und Holz nutzt er ebenso – aber wenn Beton, dann atemberaubend, wie die Fotos des Kulturzentrums im brasilianischen Porto Alegre ahnen lassen, mit außen liegenden, frei ums Eck geknickten Verbindungsgängen.

Berühmt sind Sizas Zeichnungen, in denen er mit knappen Strichen alles umreißt, was der spätere Entwurf ausführen wird. So wie beim Sporthotel in den spanischen Pyrenäen – wenige Striche markieren die gewaltigen Berge und den als Kontrapunkt vertikal davorgeschobenen Baukomplex. Kurz, knapp und treffend: Das ist die Architektur von Alvaro Siza: Poet der Geometrie und Geometer der Poesie. BS

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