Gothic-Festival : Fledermaus statt Osterhase

Am Osterwochenende strömen die Gothic-Jünger in die Berliner Kulturbrauerei. "Dark Eastern" ist das jüngste Düster-Event in Deutschland, und wenn es ein Erfolg wird, soll es alljährlich wiederholt werden.

Berlin - Bunte Ostereier kommen für Sven Anderson nicht in Frage - tiefschwarz müssten sie schon sein, damit sie auf einem Gothic-Festival Platz haben, sagt der Organisator mit einem Augenzwinkern. Denn so unterschiedlich die Musikgeschmäcker innerhalb der Gruftie-Szene auch sein mögen - sie alle eint der Hang zu dieser Nicht-Farbe. Wenn am Osterwochenende die Gothic-Jünger in die Berliner Kulturbrauerei strömen, werden 99,9 Prozent der Besucher schwarz tragen, so viel ist sicher.

Das "Dark Eastern"-Festival ist das jüngste Düster-Event in Deutschland, und wenn es ein Erfolg wird, soll es alljährlich wiederholt werden. Anderson hat beim Aussuchen der Künstler auf Vielfalt gesetzt: Klassischer Gothic-Rock trifft auf brachialen Doom-Metal, hämmernder Industrial auf melodischen Elektropop. "Abwechslung war uns besonders wichtig, deshalb haben wir auch Lesungen ins Programm eingebaut", sagt er, und er kann auf so klangvolle Autoren-Namen wie Luci van Org oder Thomas Sobottka verweisen.

Gepflegte Finsternis

Den musikalischen Teil bestreiten mehr als 40 Bands, darunter die dänischen Kult-Metaller Saturnus, die Berliner Vorzeige-Dark-Rocker Scream Silence, das nur live agierende "Fetisch: Mensch"-Projekt von Goethes-Erben-Gründer Oswald Henke und das Synthiepop-Trio Decades, das von Fans des Genres als legitimer Nachfolger von 80er-Bands wie Camouflage oder Boytronic gefeiert wird. Dennoch müssen drei Tage gepflegter Finsternis nicht teuer sein: Für 55 Euro kann man das gesamte Osterfest in schwarz erleben, an Einzeltagen kostet das Ticket 18 Euro. Kinder unter 12 Jahren haben freien Eintritt. Gespart wurde Anderson zufolge nur an den Gagen - da setzten die Veranstalter mehr auf den Sportsgeist der Künstler. Und offensichtlich ist das Konzept aufgegangen.

Die meisten Musiker, sagt Anderson, hätten spontan zugesagt, ohne groß nach der Entlohnung zu fragen. So auch Hardy Fieting, Scream-Silence-Frontmann und eingefleischter Festival-Junkie: "Solche Events sind schon eine echte Herausforderung, da kommen die Leute ja nicht nur wegen dir hin", meint der Sänger. Scream Silence werden beim "Dark Eastern" auch Songs ihres neuen Albums "Aphelia" vorstellen, dass erst am 20. April erscheint und demzufolge noch nicht von allen Fans gehört wurde. "In Zeiten von MySpace ist das aber nicht so ein Riesenproblem wie früher", sagt Fieting. Die Electropopper von Decades nutzen das "Dark Eastern"-Festival gleich als offizielle Veröffentlichungsparty - ihr neues Album mit dem Titel "Secrecy" erscheint zwei Tage vor dem Auftrittstermin. "Gutes Timing", freut sich Sänger Stefan Leukert, denn geplant sei das eigentlich nicht gewesen.

Kooperation mit Jugendherbergen

Im Gegensatz den meisten anderen größen Musik-Veranstaltungen findet "Dark Eastern" nicht auf freier Fläche oder in einem großen Stadion statt, sondern mitten in Berlins Großstadtgetümmel - im Prenzlauer Berg. Die Kulturbrauerei, eine Art universeller Vergnügungsort mit Konzerthalle, Discothek, Kino und Kneipen, liegt an der viel befahrenen Schönhauser Allee - mit anderen Worten, zelten kann man dort nicht. "Darüber haben wir uns erst ziemlich spät Gedanken gemacht", verrät Anderson, aber letztlich konnten die Organisatoren das Problem lösen, indem sie mit nahe gelegenen Jugendherbergen kooperierten. Details dazu finden sich auf der Webseite des Festivals (www.darkeastern.de) wie auch die Liste mit allen teilnehmenden Künstlern.

Aber warum heißt das Festival nicht "Dark Easter", sonder "Dark Eastern"? "Ach, das war so eine Wortspiel-Idee von Lutz Manthe, einem unserer Mitorganisatoren", stöhnt Anderson, und man merkt, dass ihm diese Frage schon öfter gestellt wurde. "Wir dachten erst, es wäre ein guter Einfall, weil die Sache schließlich im Osten Berlins stattfindet. Inzwischen haben wir zumindest im Internet Klammern um das "n" gemacht, damit die Leute wissen, wie der Hase läuft". Apropos Hasen: Da gibt es auch schwarze Exemplare. Trotzdem hat sich das Veranstalter-Team lieber für eine Comic-Fledermaus im Festival-Logo entschieden. Obwohl das Tierchen irgendwie an einen Hasen erinnert. Dazu Sven Anderson: "Sein Name ist ja auch Flederhasi". (Von Silke Nauschütz, dpa)

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