Kultur : Grüß mir St.Louis

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

zwei Wanderer zwischen den Welten

Was kann passieren, wenn man in lichtdurchfluteten Räumen aufwächst, James Joyce liest und einem der Blick in den Handspiegel suggeriert, man gehe gerade die Zimmerdecke entlang? Dass einem eines Tages die Meldung in der „New York Times“ auffällt, der Leichnam von Frank Lloyd Wright sei auf Anweisung seiner zweiten Ehefrau in Wisconsin ausgegraben worden, um nach Arizona zu reisen und sich dort bereitzulegen für ein gemeinsames Nachleben. „Frank Lloyd Wright Goes West To Rest“ nennt die Pianistin Myra Melford ihre Hommage an ihre WrightHaus-Kindheit in Glencoe, Illinois. Melford, eine Meisterin der Improvisation, tourte Mitte der Neunzigerjahre durch Europa und spielte hier ihre Trio-CD „Alive In The House Of Saints“ (hatART) ein. Und damit gelang ihr so ziemlich das Funkigste, was damals auf dem Off-Jazzmarkt zu haben war. Am Mittwoch stellt Myra Melfor ihr neues Quartett im Quasimodo vor (22 Uhr).

Mit „Symbols Of Light (A Solution)“ (Blue Note) ist dem Altsaxofonisten Greg Osby eine Platte für die Insel, eine Schöpfung aus dem Vollen gelungen. Osby war der Frage auf der Spur, wie sich die amerikanischen Improvisationsstile und westeuropäische Traditionen miteinander verbinden lassen, und kam auf verblüffende Lösungen. In den vergangenen Jahren förderte Osby nicht nur junge Künstler wie den Pianisten Jason Moran auf gemeinsamen Platten, er plazierte mit Andrew Hill, Sam Rivers und Jim Hall auch prominente New-Thing-Künstler der Sechzigerjahre in zeitgenössischen Bandkontexten. Am Montag spielt Osby mit einem Ad-Hoc-Promi-Quartett in Berlin ( Tränenpalast , 20 Uhr). „Das New Sound Collective sind Freunde, die zusammen kommen, um eine ganz besondere Musik zu spielen“, erklärt Osby. Seine nächste CD erscheint Mitte Juni unter dem Titel „St. Louis Shoes“ bei Blue Note, eine Hommage an seine Heimatstadt mit dem Trompeter Nicholas Payton.

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