Kultur : Günter Berg verlässt Hoffmann und Campe

Ausgerechnet in der Woche, in der das Fortbestehen des Suhrkamp Verlags nach einem weiteren Gerichtsurteil ungewisser denn je erscheint, sorgt ein anderer mittelständischer Verlag für eine Schlagzeile: Günter Berg, der verlegerische Geschäftsführer des Hamburger Hoffmann und Campe Verlags, gibt auf eigenen Wunsch seinen Posten auf, wie es in einer Mitteilung der Ganske Verlagsgruppe heißt. Der 1960 geborene Berg begann seine Verlagslaufbahn 1990 als Lektor bei Suhrkamp und wurde zu Lebzeiten von Siegfried Unseld als Suhrkamp-Verlagsleiter auserkoren. Er verlor aber Ende 2003 den Machtkampf gegen dessen Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz.

Berg nährte Hoffnungen, Hoffmann und Campe zu einem dezidiert literarischen Profil zu verhelfen. Das aber gelang ihm nur bedingt: Hoffmann und Campe ist zwar der Verlag von Siegfried Lenz, Wolf Haas oder der Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing. Zuletzt sorgte Hoffmann und Campe aber für mehr Aufsehen durch die Veröffentlichung der Autobiografien von Arnold Schwarzenegger und Michail Gorbatschow. Ob es womöglich wegen solcher Bücher auch Spannungen mit den Vorständen der Ganske Verlagsgruppe gab? Dass diese Prominentenbücher sichere Bestseller werden, steht außer Frage – nur ob sie das Geld einspielen, dass die Rechte an ihnen gekostet haben, steht auf einem anderen Blatt.

Günter Bergs Demission fällt in eine Zeit, da es Autorenverleger zunehmend schwer haben. „Zeitnah“ wolle man Bergs Position wieder besetzen, ließ die Ganske Verlagsgruppe nun verlautbaren. Doch ein Verleger, der nicht abgeworben werden muss und den Rang und das Können eines Günter Berg hat, wird nicht so leicht zu finden sein. gbar

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