Kultur : Guinesischer Mäusetwist

Silvia Hallensleben

Das schwarzafrikanische Kino ist bekannt für seinen eigenen Erzählmodus, der vormediale Praktiken des Geschichtenerzählens für das Kino zu retten scheint. Auch "I. T." (Immatriculation temporaire, befristeter Aufenthalt) erzählt seine Geschichte in solch - es lässt sich hier nur in Paradoxen sprechen - leichtfüßig behäbigem Duktus: Geradeaus, doch immer bereit, den Blick für Momente rechts und links des Wegs zu richten. Ruhig und doch energetisch. Von Fernsehästhetik keine Spur.

Mathias, Sohn eines Afrikaners und einer weißen Französin, kommt aus Paris nach Guinea, um seinen Vater zu finden. Am Busbahnhof wird ihm der Koffer gestohlen. In einer Kneipe trifft er den Rumhänger John Tra und dessen Schwester Rama. Beide bieten ihm Hilfe beim Suchen an - und spielen doch auch undurchsichtige Spiele. Doch auch Mathias verletzt Rama. Er begreift - vielleicht gerade als Europäer - die Erwartungen nicht, die sie an seine Männlichkeit hat. Die Unbestimmtheit, die Fremde menschlicher Beziehungen: Nie spricht dieser Film die Fragen aus, um die er kreist. Regisseur Gahité Fofana spielt Mathias selbst - ein Mann, in dessen Gesichtsausdruck Trauer und Zorn zu Zärtlichkeit verschmelzen.

Fofana, in Frankreich geboren, ist guinesischer Herkunft. Als Besucher führt er uns auf Besichtigungsreise in ein unspektakulär unexotisch inszeniertes Land. Da ist ein winddurchwehtes Betonhochhaus, in dem Rama lebt, mit Kindern, die im Eingang Mäusetwist spielen. Die große Bauxitfabrik könnte so auch bei Gera stehen. Nur das Licht ist anders und die Gesten der Menschen. Die Kamera bewegt sich kaum, lässt John Tras Motorroller durchs Bild knattern und zurück. So bekommt dieser schöne kleine Film mit seinen beiläufigen Beobachtungen auch dokumentarische Qualitäten. Dabei ist der Handlungsfaden subtil ausgetüftelt. Aber nicht vorbestimmt.

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