• Gut in Szene gesetzt hämmern sie mit Riefenstahl und "Bück dich noch einmal"-Texten von der Leinwand

Kultur : Gut in Szene gesetzt hämmern sie mit Riefenstahl und "Bück dich noch einmal"-Texten von der Leinwand

Nadine Lange

Der braune Hase und sein Freund, das kleine Schaf, sind extra aus Hamburg ins Kesselhaus der Kulturbrauerei gekommen. Die beiden sind Rucksäcke und hocken auf dem Rücken von Gunda (34) und Gunilla (27). Die vier wollen den Konzertfilm "Live aus Berlin" von Rammstein sehen: "Richtig live erlebt haben wir die Band noch nie, aber den Film kennen wir schon auswendig." Denn statt selber auf Konzertreise zu gehen, haben Rammstein ein Video ihres Auftritts in der Waldbühne auf Tournee geschickt. Es kommt am 13. September in den Handel. Auf CD ist das Ganze ebenfalls erhältlich. Gute Vermarktung war schon immer eine Stärke von Rammstein. Ihr bombastischer Industrial Metal ist eigentlich nichts Besonderes, aber mit teutonischem Auftreten und pyrotechnisch anspruchsvollen Bühnenshows sorgten die Musiker aus Berlin und Schwerin immer wieder für Wirbel. So, als sie in ihr Video "Stripped" Szenen aus Leni Riefenstahls "Olympia" einbauten. Faschistische Ästhetik wird hemmungslos kopiert. Poltische Bedenken haben Rammstein nicht. Denn Rammstein sind Pop. Und so besteht auch ihr Publikum nicht aus Glatzköpfen in Bomberjacken: Ins Kesselhaus ist eine Mischung aus Normalos, Pferdeschwanzträgern und Kurzgeschorenen gekommen - außerdem auffallend viele Frauen (die frauenverachtenden Texte scheinen sie nicht zu stören). Vom Teenie bis zum Enddreißiger ist alles vertreten. Vereint im abgehackten Vor- und Zurückstoßen der Oberkörper verfolgen sie das Spektakel auf der Leinwand. Prägnante Zeilen wie "Bück dich noch einmal" werden mitgesungen. Rammsteins Auftritt wurde mit vielen Kameras in Szene gesetzt, aber unspektakulär geschnitten: Im Zentrum der Montage steht der behaarte Bauch von Sänger Till Lindemann - natürlich in Untersicht.

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