Kultur : Häuser im Schrank

STADTPLANUNG

Jürgen Tietz

In seiner Ausstellung Planschrank Moskau in der ifa-Galerie spürt Sergei Tchoban, russischer Architekt mit Büro in Berlin, dem historischen Maßstabssprung an fünf Erinnerungsorten der russischen Hauptstadt nach (Linienstraße 139/140, bis 4. Januar, Katalog im Verlagshaus Braun 29,90 €). Die Entdeckungsreise zeigt überraschende Parallelen zwischen Berlin und Moskau auf. Die Moskauer Universität etwa, dieser gewaltige stalinistische Zuckerbäckerbau, droht inzwischen neben den Wohntürmen des neuen Moskau zu verzwergen.

Die Ausstellung zeigt, dass die Planungen bisweilen weitaus spannender waren als die ausgeführten Bauten. Immer wieder wechselte die Formensprache der Projekte. Was blieb, war der große Maßstab. So auch beim Hotel „Moskau“, einem Herzstück der Moskauer Erinnerungsorte. Wo einst mit Wild gehandelt wurde, sollte 1922 mit dem „Palast der Arbeit“ ein Symbol der jungen Sowjetmacht entstehen. Doch die konstruktivistischen Pläne der Gebrüder Vesnin blieben Entwurf und landeten im „Planschrank Moskau“. Stattdessen verwirklichte A. Schtschussew einen neoklassizistischen Prachtbau. Doch auch dessen Pilaster sind nicht für die Ewigkeit bestimmt. Trotz Protesten wird das legendäre Hotel derzeit abgerissen. Freilich nur, um anschließend „in neuem Glanz“ und mit maximierter Raumausnutzung wieder aufgebaut zu werden.

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