Harald Martenstein zur Berlinale 2016 : Was fehlt: Eine Bernie-Sanders-Retrospektive

Die Fünfte: Harald Martensteins tägliche Kolumne zur Berlinale. Heute über einen hartnäckigen Igel in seinem Computer, der zwischen Weltlage und Filmwelt sitzt.

Alles Schauspieler! Auch Bernie Sanders, der US-Präsident werden will.
Alles Schauspieler! Auch Bernie Sanders, der US-Präsident werden will.Foto: Jim Young/REUTERS

Ich war in „Alone in Berlin“, hier die ausführliche Kritik: na ja. Es ist immer wieder seltsam, in einem Nazifilm zu sitzen, und alle Nazis reden Englisch. Das muss für einen Neonazi eine schlimme Schmach sein, heutzutage spricht sogar die SS Englisch. Eigentlich schade, dass die Amis nicht von den Gewinnen aus all den Nazifilmen ein paar Prozent an Deutschland überweisen müssen, das ist unser geistiges Eigentum. Kann man das nicht in den TTIP-Vertrag hineinschreiben?

Morgens komme ich ins Büro und schalte den Computer ein. Mails und Weltlage checken, die wichtigsten Kritiken lesen, das Übliche, dafür stehen 30 Minuten zur Verfügung. Dann Kino. Der Computer fährt hoch. Währenddessen gehe ich auf und ab und bin nervös. Der Bildschirm leuchtet auf. Dann stürzt der Computer ab. Seit Beginn der Berlinale beginnt jeder Tag mit einem Computerabsturz.

Bitte warten!

Beim zweiten Versuch erscheint der Desktop, was nicht erscheint, ist der Cursor. Stattdessen ein Text „Igel 213.110. Bitte warten“. Heute muss es mal ohne die wichtigsten Kritiken gehen. Die Weltlage ist eh schwierig. Wenn Krieg ausbricht, werde ich das schon an den Anti-Kriegs-Demos auf dem Potsdamer Platz merken.

Nach einigen Minuten verschwindet der Kasten, der Bildschirm wird wieder schwarz. Ein neuer Kasten erscheint: „Die Verbindung mit dem Remote wurde beendet.“ Ich denke, dass ich die Mails am Nachmittag beantworte. Ich versuche, eine halbfertige Kolumne aufzurufen, dazu muss ich nicht ins Internet. In dem Moment, in dem die Kolumne erscheint, geht auf dem Bildschirm das Licht aus, und es kommt „Igel 213.210. Bitte warten“. Jetzt würde ich gerne mein Recht auf Glück einfordern. Ich habe ein Recht auf Glück.

Was ich an der Berlinale vermisse: die Retrospektive mit den Filmen von Bernie Sanders. Das ist der Präsidentschaftsanwärter, der in den USA Hillary Clinton im Nacken sitzt. Bernie hat Dokus gedreht und war Schauspieler, in „Liebe ist mehr als nur ein Wort“ spielt er sogar an der Seite von Susan Sarandon. Die Filme sollen alle sehr schlecht sein, womöglich noch schlechter als die Filme mit Ronald Reagan. Aber falls Bernie, wie 50 Prozent aller schlechten US-Schauspieler, mal einen Nazi gespielt hat, wäre das natürlich der Hammer.

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