Harnoncourt und die Berliner Philharmoniker : Freiheitsklang

von

KLASSIK

Freiheitsklang: Die Philharmoniker

mit Nikolaus Harnoncourt

Man merkte den Philharmonikern ihre Freude darüber an, nach den vergangenen, künstlerisch wenig inspirierenden Dienstwochen wieder einmal unter Nikolaus Harnoncourt spielen zu können. Noch dazu Beethoven, der längst zum Kernrepertoire der Berliner und ihres Chefs Simon Rattle zählt. Für andere Gastdirigenten hätte das eine nur schwer zu überspringende Hürde sein können. Nicht so für Nikolaus Harnoncourt, dessen Proben Rattle begeistert besuchte. Der virile 81-Jährige ist ein Freund und Vertrauter auf der Suche nach einem Musizieren, das gegenwärtig und herausfordernd ist. So stellte Harnoncourt der Fünften zunächst die Messe in C-Dur voran, ein Werk, das zuletzt 1986 auf den Philharmoniker-Pulten lag.

Berührend, wie sehr er der Kraft dieser Musik vertraut, wie wenig forciert sein Zugriff ausfällt. Das Kyrie weht herüber von einem Raum, der immer erfüllt von diesen Klängen scheint, nicht gespielt, sondern nur hörbar gemacht. Weich und mit immer wieder erstaunlichen Temporückungen strömt die Messe dahin, vom Rundfunkchor beinahe zu kantenlos intoniert. Wären da zwischendurch nicht frappierende Bassdramen im Orchester oder ein unsagbar zartes Solo-Intro des treffsicheren Solistenquartetts – man hätte glatt das Zeitliche segnen können.

In der Fünften dann legt Harnoncourt den Kopfsatz so hurtig an, dass die Musik quasi ohne Nachhall bleibt. Eine purzelnde Pathosreduktion. Doch was sich in den folgenden drei Sätzen ereignet, sucht an musikalischer Vielgestaltigkeit seinesgleichen. Hier klopft nicht das Schicksal an die Tür, sondern die Freiheit. Um von der schwer Fasslichen eine Vorstellung zu erlangen, braucht es Neugier und Vertrauen, die nie versiegen. Und den zärtlichen Furor von Nikolaus Harnoncourt (noch einmal Samstag; ausverkauft).

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