Kultur : Harte Jungs

Helmut Schümann

Vielleicht ist es ja Satire, nur als solche nicht erkenntlich. Vielleicht ist er aber einfach nur misslungen, Max Bronskis Kriminalroman „Sister Sox“. Für Letzteres spricht allein die Lustlosigkeit des Lektorats, die die dicksten grammatikalischen Klöpse schon auf den ersten Seiten hat stehen lassen.

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Also, es geht um Folgendes: Wilhelm Gossec ist ein Trödler. Er lebt im Münchner Schlachthausviertel. Einen Krimi dort anzusiedeln, ist eine hübsche Idee. Aber warum musste das Viertel im Roman umgebaut werden? Eigentlich ist es ein hübsches Viertel, urban, bürgerlich, bayerisch-gemütlich. Bei Bronski ist es die South Bronx, Neukölln oder das Frankfurter Bahnhofsviertel. Um dort im täglichen Straßenkampf zu überleben, muss ein Trödler natürlich besondere Fähigkeiten haben. Gossec hat sie, er ist ein unerschrockener Schläger, kennt sich mit Waffen aus, und die örtliche Zuhälterszene, ach, die mischt unser Trödelhändler doch mit links auf. Und mit rechts macht er noch die italienischen Bosse nieder.

Das alles wird im bemüht schnoddrigen Tonfall erzählt, „ein Anblick, der einem wie ein doppelter Caffe corretto in den Magen fuhr“. Was nur ein Beispiel ist für die unzähligen schiefen Bilder. Man kann nur mutmaßen, aber wahrscheinlich hatte der Autor Jakob Arjouni und dessen Helden Kayankaya vor Augen, der sich seit Mitte der Achtzigerjahre durch Frankfurt schlägt. Wenn er ihn denn wenigstens kopiert hätte. Dann wäre zwar ein Plagiat herausgekommen, aber doch ein gutes Buch. Aber was macht man, wenn man harter Hund sein will, indes in München aufgewachsen ist, wo Straßenköter allenfalls Dackel sind und keine nahkampferprobten Streetfighter? Und was macht man, wenn man zudem keine Fantasie hat? Dann schreibt man „Sister Sox“.

Max Bronski: Sister Sox. Roman. Verlag Antje Kunstmann, München. 191 Seiten, 16, 90 €.

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