Kultur : Heart

Eine verwirrte Frau sitzt mit einer vor Blut tropfenden Tüte im Zug.Der Schaffner kontrolliert ungerührt ihren Fahrschein.Niemand hält sie auf, als sie aussteigt.Erst als sie auf einem Friedhof mit bloßen Händen ein Grab öffnen will, nimmt die Polizei sie fest.Im Verhör erzählt sie ihre Geschichte.Der furiose Einstieg mündet in eine Geschichte, in der es um einen besonderen Muskel geht.Heart von Charles McDougall widmet sich ganz dem menschlichen Herzen.Der britische Regisseur, bekannt geworden durch die Fernsehserie "Für alle Fälle Fitz", hat für sein Leinwanddebüt den gesamten Themenpark um das Zentralorgan des Blutkreislaufs zusammengezogen: Krankheit und Organspende, Liebe, Drama und Wahnsinn.Ein junger Mann kommt schuldlos bei einem Verkehrsunfall ums Leben.Das heißt: Er ist zunächst hirntot.Tess, seine verzweifelte Mutter wird flugs zur Freigabe der Herzens überredet und darf noch kurz zwischen Schläuchen und Apparaturen Abschied nehmen.Bald darauf lernt sie Gary, den Empfänger kennen, der wissen will, wessen Tod sein Leben gerettet hat.Tess hört sogar das Herz ihres Sohnes in der Brust des Empfängers schlagen.Doch auch Garys neues Herz wird von Eifersucht zerfressen, denn seine Frau hat einen Liebhaber."Fitz"-Darsteller Christopher Eccleston und Saskia Reeves leihen der Story ihre kantigen Gesichter.Die Herzen werden nicht in Heidelberg, sondern in Liverpool verloren.- Solide erzählt und bis zur letzten Minute reichlich blutrünstig versucht die Story, möglichst viele Assoziationen zum Thema zu streifen: Reha-Maßnahmen, das übervolle Herz der alleinerziehenden Mutter und die Logik des Kontrollwahns in bürgerlich-monogamen Partnerbeziehungen inklusive.Bei der Transplantation erklingt Dionne Warwicks Song "Anyone who had a heart".Klar, daß hier die Gleichung ohne Rest aufgeht und in der Mördergrube endet.Die Charaktere reichen vielleicht für einen TV-Reißer - zu Herzen gehen sie nicht.(ghl) Foto: Atlas/Alligator

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