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Kultur : Hessischer Staatspreis: Zentralrat der Juden kritisiert einseitige Debatte

Auch der Zentralrat der Juden bezieht in der Debatte um die Verleihung des Hessischen Kulturpreises Stellung. Der Ursprung des Skandals liege im Antisemitimus des türkischen Wissenschaftlers Fuat Sezgin, der den Preis abgelehnt hatte, erklärte Generalsekretär Kramer.

Malte Lehming

In die Debatte über die Verleihung des Hessischen Kulturpreises hat sich jetzt auch der Zentralrat der Juden in Deutschland eingeschaltet. Generalsekretär Stephan Kramer sagte dem Tagesspiegel, bei aller Brisanz des Skandals, wie er zur Zeit diskutiert würde, müsse dringend auch dessen Ausgangspunkt thematisiert werden, der nicht minder skandalös sei.

Kramer erinnerte daran, dass ursprünglich der türkische Orientalist Fuat Sezgin den Preis hätte erhalten sollen, dies aber verweigerte, weil Mitpreisträger Salomon Korn, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, den jüngsten Gazakrieg angeblich zu einseitig kommentiert habe. Daher habe es Sezgin als für seine politische Überzeugung und sein kulturelles Verständnis nicht hinnehmbar bezeichnet, den Preis gemeinsam mit Korn anzunehmen.

Das wiederum, so Kramer, sei "klassischer Antisemitismus im Gewand des Antizionismus, wie er leider in erheblichem Maße auch in intellektuellen muslimischen Kreisen vorhanden ist". Darüber indes spreche heute keiner in Deutschland mehr, sondern man befasse sich fast ausschließlich mit der Reaktion der christlichen Würdenträger auf einen Zeitungsbeitrag des Sezgin-Nachrückers Navid Kermani. Kramer weiter: "Warum hat niemand aufgeschrieen, als ein Muslim sich weigerte, einen Preis mit einem Juden anzunehmen?"

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