Kultur : Heut’ machen wir uns Gedanken

Das wird ein fröhliches Gläserklingeln geben. Am kommenden Dienstag im Kabarettistenhimmel. Wenn Wolfgang Neuss mit den lieben Kollegen auf seinen Geburtstag anstößt, der sich am 3. Dezember zum 90. Mal jährt. Also, der sich jährte, wenn er noch lebte, das tut er aber seit dem 5. Mai 1989 nicht. Oder doch? Ich gebe euch die Botschaft: Man lebt nur ab, um zu leben. Das hat er in seinem letzten Interview, gerade mal drei Tage vor seinem Tod und ein halbes Jahr vor dem Mauerfall gesagt. Eines Tages steht die Wiedervereinigung vor der Tür und wir sind nicht zu Hause!

Und nun ist Geburtstag, und Dieter Hildebrandt, Neuss’ alter Fußballkumpel von den „Balltretern Rixdorfer & Co.“ verstärkt – am Tag nach seiner Münchner Beerdigung – die himmlische Gratulantenrunde. Unten in Berlin formiert sich die zweite. Heut’ mach’ ich mir kein Abendbrot, heut’ mach’ ich mir Gedanken. Noch’n Neuss. Im Wintergarten-Varieté (20 Uhr) am Dienstag von einer illustren Schar der Weggefährten und Jünger beherzigt. Zu Ehren eines, wenn nicht sogar des wichtigsten deutschen Kabarettisten der Nachkriegszeit, dem Mann mit der Pauke, dem Breslauer Kellerkind, der Berliner Skandalnudel und zahnlosen Indianerfrau.

Werner Schneyder reist aus Wien an, Karl Dall aus Hamburg, Dieter Süverkrüp aus Düsseldorf und Ufa-Fabrik-Gründer Juppy Becher, Arnulf Rating, Frank Lüdecke oder Volker Kühn, der Kabarett-Historiker und literarische Nachlassverwalter von Neuss, sind eh schon da. Ich bin der, vor dem meine Eltern mich immer gewarnt haben, sagt Neuss. Da ist was dran. Deswegen lässt sich auch das Hanf-Museum nicht nehmen, dem Kifferkönig aus der Lohmeyerstraße in Charlottenburg zu gratulieren: Auf deutschem Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen. „Tu nix ohne Liebe“ heißt die Dienstag eröffnende Sonderausstellung (Mühlendamm 5, Di-Fr 10-20 Uhr, Sa/So 12-20 Uhr). Geliebt wird er immer noch, der Neuss.

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