Kultur : Hey, Big Spender

Eva Karcher

"Wo Kunst ist, ist oben", diagnostizierte die Bunte unlängst in einem Bericht. Dass das innige Verhältnis zwischen Kunst und Wirtschaft nun sogar Deutschlands führendes Society-Magazin beschäftigt, ist die ultimative Bestätigung einer Entwicklung, die derzeit in den Hamburger Deichtorhallen zelebriert wird. "Art & Economy", so der Titel der Schau (bis 23. Juni), die sich als Kooperation des Museums mit dem "Siemens Arts Program" ausweist, wurde in den Medien einhellig wegen der "empörenden Selbstverständlichkeit" angegriffen, mit der sich die Big Spender selbst feiern.

Tatsächlich entstand keineswegs die von den Veranstaltern angestrebte "Begegnung der traditionell getrennten Diskurse von Kunst und Wirtschaft". Stattdessen gerieten die Arbeiten der beteiligten Künstler zu alibihaften Trophäen einer exzessiven Selbstdarstellung der Unternehmen.

Den Firmen ist an diesem Punkt kein Vorwurf zu machen: Sie definieren Sponsoring klar als Investition auf der Basis eines steuerlich voll absetzbaren Geschäfts. Geld gegen Image, heißt der Deal, den die beiden Künstler RothStauffenberg parallel zu der Hamburger Ausstellung auch in der Berliner Galerie Schipper & Krome (Linienstraße 85, bis 25. Mai) exemplarisch dekonstruieren. Wobei es in der Filmmontage "Zehn nach zehn" um Drogen geht statt um "Innovationsbereitschaft, Mitarbeitermotivation oder Mut zur Kreativität", um nur die beliebtesten der austauschbaren Schlagworte gängiger unternehmenskultureller Propaganda zu nennen.

Kultursponsoring ist Eigenwerbung der feinen Art. Denn sie integriert raffiniert auch die so genannte konsumkritische Haltung in die Corporate Identity, die Firmenphilosophie. So gerät jede Partnerschaft mit der Kunst unweigerlich zur Auftragsarbeit mit dem Ziel der Attraktivitätssteigerung des Labels. Das ist nur deshalb problematisch, weil die Wirtschaft die Abhängigkeit der Kunst von der jeweiligen Unternehmensideologie hartnäckig leugnet. Dabei müsste kein Manager mehr auf den Dauervorwurf der Instrumentalisierung allergisch reagieren, schließlich pocht die Kunst schon seit längerem nicht mehr auf ihre Autonomie, ihren unantastbaren Freiraum. Ganz im Gegenteil versteht sie sich vielfach als Dienstleister der Gesellschaft wie der Wirtschaft.

Sie ist affirmativ und anschmiegsam, weil sie selbst es will. Nie war die Bereitschaft vieler Künstler so hoch, sich vom Kapital vereinnahmen zu lassen. Auch das wäre okay, würden sie sich nicht strategisch weiterhin mit einem mehr oder weniger dünnen, pseudokritischen Mäntelchen umhüllen. Part of the game? Ja, doch dann verkauft sich die Kunst weit unter ihrem Wert, betrachtet man die Gelder, die Sponsoren in Kunst investieren im Verhältnis zu jenen, die sie für Werbung ausgeben. Insgesamt 600 Millionen Mark war ihr Kultursponsoring deutschen Unternehmen im Jahr 2000 wert - eine dürftige Summe im Vergleich zu den 60 Milliarden, die in Werbung flossen. Nicht vergessen werden sollte in diesem Zusammenhang auch, dass nach wie vor Bund, Länder und Gemeinden immerhin 90 Prozent aller hiesigen Mittel für Kultur aufbringen, rund 16 Milliarden Mark jährlich.

Als das israelische Künstlerpaar Clegg & Guttman vor über zwanzig Jahren begann, Chefporträts aus den Jahresberichten von Unternehmen abzufotografieren und sie vor schwarzem Hintergrund neu zu montieren, ging es ihnen um "Codes der Selbstdarstellung. In unserer Zeit ist der Begriff der Macht so abstrakt, dass es fast unmöglich ist, ihn ganz zu verinnerlichen", meinten sie 1986 in einem Interview. "Sowohl Akteure als auch Auftraggeber tragen ihn wie einen Anhänger oder ein Emblem". Heute existieren kaum noch Porträts führender Manager oder Politiker ohne ein schmeichelndes Gemälde im Hintergrund. Mag die Kunst die Aura markanter Mienen auch steigern, inzwischen droht Verwechslungsgefahr. Denn die Posen der Macht gleichen sich in verräterischer Monotonie - ähnlich übrigens wie zahlreiche Sammlungen und Kooperationen, die Firmen mit Künstlern initiieren. Liegt das an einfallslosen Art Consultants und für die Kommunikation in Unternehmen zuständigen Mitarbeitern, die immer wieder die gleichen Arbeiten empfehlen, weil sie sie als besonders geeignet für die Corporate Culture halten? Vielleicht sollten sich Unternehmer und Künstler auf das Motto von Naomi Kleins Besteller "No logo" besinnen. Damit die Kunst in der Umarmung des Kapitals nicht erstickt.

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