Kultur : Hip-Hop Hamburg

KAI MÜLLER

Nach nur einer Platte schon im Hip-Hop-Himmel.So tief können die Glocken hängen.Aber die Hamburger Jungs von "Absolute Beginner" haben es tatsächlich verdient.Ihre Interpretation des schwarzen Ghetto-Slangs, der in Verbindung mit lässig sich dahinschleppenden Beats zu aufmüpfigen Rap-Gesängen verschmilzt, ist rauher, intelligenter und selbstverliebter als man es hierzulande gewohnt ist.Ein in jeder Hinsicht überzeugendes Rap-Flair.Keine peinlichen Momente, weil übereifrige Reimartisten sich auszutoben versuchen, ohne musikalischen Verstand zu besitzen.Statt dessen eine Abgeklärtheit, die einer Musik mit Coolness-Anspruch durchaus entgegenkommt.Sie rührt vielleicht daher, daß Eißfeld, Dennis und DJ Mad, obwohl sie Ende letzten Jahres mit "Bambule" erst ihr zweites Album herausbrachten, bereits seit sechs Jahren an ihrem Stil herumfeilen.Im übrigen legen sie jene hanseatische Schnodderigkeit an den Tag, die so charmant von der eigenen Großartigkeit überzeugt sein kann.So werden die Absoluten Beginner auch nicht müde, sich für ihre Einfälle gleich selbst am meisten zu loben: "Texte wachsen nicht auf Bäumen, Beats kommen nicht mit der Post, darum feilen wir .../ Bauen Sachen wovon andere nur träumen, nur beste Kost ..."

Davon wäre ich gern auch überzeugt worden, doch, wie gesagt, die Glocken hängen tief im Hip-Hop-Himmel: Beim Konzert in der Treptower Arena war von der Band nicht mehr zu hören als ein hohles, wummerndes Getöse, das die wechselseitig gesungenen und aufeinander bezugnehmenden Texte gnadenlos zermalmte.Mag sein, daß das kaum eine Rolle gespielt hat, da das Publikum den überwiegenden Teil ohnehin auswendig mitsingen konnte.Ursprünglich hatten die Beginner im "SO 36" auftreten sollen, doch sie wichen nach dem plötzlichen Chart-Erfolg und der enormen Nachfrage in die Arena aus.Die gigantische, leicht gewölbte Halle war von den Veranstaltern zwar mit schwarzen Vorhängen um etwa die Hälfte verkleinert worden, aber vergeblich.Dieser Kuppel-Akustik und ihrem metallischen Nachhall sind sprachlastige Konzerte nicht gewachsen.Blieb also, sich an den herrlich unbekümmerten Gesten der Jungs zu freuen, die geistig in den großen Hallen noch keineswegs angekommen sind.

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