HIT Parade : The B-52s

Diese Woche auf Platz 63 mit: „Funplex“

Ralph Geisenhanslüke

Die Nachricht schlug nicht gerade wie eine Bombe ein. Eher ging ein Ächzen durch die Musiklandschaft, verbunden mit der stoßseufzerhaften Frage: Brauchen wir das? Sie hatten seit 16 Jahren keinen neuen Song veröffentlicht. Eigentlich schien es auch gut so. Die B-52s waren neben Devo und den Talking Heads schon in der New Wave angekommen, als anderswo noch Drei-Akkorde-Punk geschrubbt wurde. Ihre ironischen Rückgriffe auf die Space-Age-Euphorie, die Twang-Gitarren und Wurstorgeln der Sechziger, verbunden mit bodenständigen Riffs und einem treibenden Beat, waren eine feine Sache, an die jeder, der die Achtziger erlebt hat, sich gern erinnert – sofern er dazu noch in der Lage ist.

Doch das Quartett, gegründet 1976 in Athens/Georgia, will seinem Namen auch in historischer Hinsicht gerecht werden. Ursprünglich bezog er sich auf die Frisuren der Sängerinnen Kate Pierson und Cindy Wilson, jene hochtoupierten „Beehives“, zu Deutsch: Bienenkörbe, die man in den Südstaaten wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Nase des amerikanischen Militärflugzeugs auch „B-52s“ nennt. Dessen Alter und die Durabilität will die Band nun auch erreichen.

Frisch gephotoshopt lächeln die vier auf dem Cover, als wäre kein Tag vergangen, ja, als wären die Achtziger überhaupt nie zu Ende gegangen. Und so klingen sie auch. Es gibt nur zwei behutsame Neuerungen: Der Beat ist etwas elektronischer geworden, und endlich haben sie den überflüssigen Apostroph weggelassen. Die B-52s verhehlen keineswegs, da weiterzumachen, wo sie aufgehört hatten. Im Grunde blieb das Rezept ihrer Songs unverändert seit „Rock Lobster“, ihrem ersten Hit: das bodenständige Riff, der Beat von circa 140 bpm, der hochfrequente weibliche Satzgesang und Fred Schneider, der irgendwas Irres hineinruft. Das Titelstück beschreibt in etwas diffuser Ironie eine Shopping-Mall, auf der Leute auf Diätpillen durchdrehen. Man sollte keine lyrischen Offenbarungen erwarten. Die B-52s sind weiter in ihrem eigenen Luftkorridor unterwegs. Sie erfinden die Tragfläche nicht neu, aber die vier Piloten – allesamt um die fünfzig – entfachen doch noch erstaunlichen Schub. Sollten sie ihrem Vorbild tatsächlich treu bleiben, war dieses nicht ihr letztes Werk. Die US-Luftwaffe will den B-52 bis 2040 im Einsatz lassen. Ralph Geisenhanslüke

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