Humboldt-Forum in Berlin : Erst maulen, dann hinströmen

Das Humboldt-Forum ist ein Ort, an dem sich Kultur und Wissenschaft begegnen, wo Globalität definiert wird. Es wird am ganz großen Rad gedreht. Doch Ernüchterung könnte folgen - deshalb hat unser Autor eine fabelhafte Idee.

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Das Modell des Berliner Stadtschlosses - unverhüllt.
Das Modell des Berliner Stadtschlosses - unverhüllt.Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Eine wahre Wunderkiste ist das Humboldt-Forum. Erst wollte keiner sich dafür begeistern, jetzt drängt alle Welt hinein. Typisch Berlin: Erst maulen, dann strömen die Massen. Es hat beim Humboldt-Forum auch damit zu tun, dass sich die Idee durchsetzen musste. Die großartige Idee von einem Museum anderer Art, von einem Ort, an dem sich Kultur und Wissenschaft begegnen, einem Zentrum in der Hauptstadt, das Globalität nicht bloß behauptet, sondern definiert und entwickelt.

Noch vor dem Richtfest meldete sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller zu Wort. Ihm schwebt im Humboldt-Forum eine Präsentation Berlins und seiner Geistesgeschichte vor. Richtig: Dabei wäre natürlich an die Brüder Humboldt zu denken, deren Name an der Haustür steht, und an all die Archäologen, Abenteurer, Wissenschaftler, die Babylon und Pergamon ausgegraben und die kaiserlichen Museen in Berlin gefüllt haben mit den Schätzen so vieler untergegangener afrikanischer, amerikanischer, asiatischer Kulturen. Die Frage der Raubkunst und des Kolonialismus wird hier zu behandeln sein. Woher kommen die Stücke, wem gehören sie?

Nebenan, im Auswärtigen Amt, geht es um genau diese Themen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier engagiert sich für den kulturellen Austausch und Ausgleich. Jetzt ist seine Behörde auch offiziell dem Humboldt-Forum beigetreten. Das Auswärtige Amt sitzt im Stiftungsrat, die Satzung der Stiftung Berliner Schloss/Humboldt-Forum wurde entsprechend geändert. In dem Gremium sind schon einige Ministerien vertreten, man muss also keine politische Einflussnahme auf die Gestaltung des Humboldt-Forums befürchten.

Wrapped Stadtschloss: Christo sollte das Humboldt-Forum verhüllen

Hintergrund ist auch, dass auswärtige Kulturpolitik immer mehr ins Inland hineinwirkt, das bringen Globalisierung und internationale Vernetzung mit sich. Und dass sich Monika Grütters, die Kulturstaatsministerin, entschieden für eine weltoffene Darstellung und Praxis der Bundesrepublik einsetzt. Grütters betrachtet das Humboldt-Forum als exemplarische Einrichtung für das 21. Jahrhundert.

Da wird am ganz großen Rad gedreht! Ernüchterung ist aber auch fest eingeplant, wenn der eindrucksvolle Rohbau nach und nach die Schlossfassaden vorgehängt bekommt. Erste Proben sind schon zu sehen. Das Außen dementiert das Innen. Deshalb der rettende Vorschlag: Christo verhüllt das Ding mit Silberfolie – wie vor zwanzig Jahren den Reichstag. Wrapped Stadtschloss! Humboldt und Christo: Absolut Berlin!

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