Kultur : Hunde aus Holz beißen nicht...

... dafür gehören sie zu den begehrten Objekten auf der Kunst- und Antiquitätenmesse in Brüssel

Claudia Herstatt

In Brüssel geht die Post ab. Als erste der großen Antiquitätenmessen hat sich die Brüsseler Foire des Antiquaires bestens positioniert. Seit 53 Jahren gibt es die belgische Traditionsschau. Doch erst seit sie 2004 in das ehemalige Postfuhramt Tour & Taxis umgezogen ist, lockt sie internationale Teilnehmer an den spektakulären Ort und hat damit entsprechende Aufmerksamkeit gewonnen.

„Qualität statt Quantität“ postuliert die neue Präsidentin, die Antwerpener Antiquitätenhändlerin Jenny Zeberg, und konzentriert sich auf 130 Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern. Den Anspruch löst die Messe mit ihrem schicken Design auch ein: Wer das dunkle Entree mit seinen riesigen Videoprojektionen alter Tapisserien durchschritten hat, der findet sich in einer luftigen, von Tageslicht durchströmten Ausstellung wieder.

Das besondere Flair der Messe aber macht das hochkarätige Angebot aus. Frisch und mit einer im besten Sinn vielfältigen Melange aus Antike über reichlich Stammeskunst, klassisches Mobiliar, Malerei und Design nimmt die Messe für sich ein. Nach der Vernissage war die Stimmung geradezu euphorisch. Noch vor den offiziellen Öffnungszeiten spazierte Scheich Saud al Thani mit Gefolge über die Messe: Der gern gesehene Gast ist dabei, mit großzügigen Mitteln des Emirates das künftige Museum in Qatar mit antiken Schätzen auszustatten.

In den ersten Stunden konnte die Galerie Flore eine höfische Kommode aus dem 18. Jahrhundert verkaufen. Ihre Liebe für Antiquitäten lebt die gerade 38-jährige Herzogin de Brantes nicht nur in einem Schloss an der Loire aus: Auf der Messe führt sie in raffinierter Inszenierung vor, wie man als junger Mensch mit Antiquitäten wohnen kann. Ebenfalls ein Meister des Stilmixes ist der belgische Kunsthändler Axel Vervoordt. Auf seinem Stand wurde immer wieder ein auf 1657 datierter und signierter Holzhund des Antwerpener Meisters Artus Quellenius vom Bord der Bibliothek geholt: Der edle Köter aus dem Zeitalter von Rubens soll stolze 350 000 Euro kosten.

20 000 Besucher kamen bereits in den ersten fünf Tagen. Die Verkäufe liefen gut, wenn nicht sogar bestens. Zada (Brüssel) beglückte einen holländischen Privatsammler mit einer Tapisserie aus dem 18. Jahrhundert, De Wit Fine Tapestries (Mechelen) konnte das Museum der schönen Künste der Stadt Paris für die gewirkte „Toilette der Venus“ (um 1700) begeistern. Beim Kunstsalon Franke (München) trägt man dem Nachbarland Belgien Rechnung und zeigt eine „Frau mit Korb“ (1939) des vom deutschen Expressionismus beeinflussten Gustave de Smet für 195 000 Euro und von dem Niederländer Maarten van Heemskerk ein „Bildnis einer Frau im Dreiviertelprofil“ um 1530. Bei Ronny van de Velde (Antwerpen) gab es Meisterwerke der klassischen Moderne, darunter eine Vorstudie zu den „Demoiselles d’Avignon“ und das kontrastreiche Frauenporträt „Woman with her hands on her face" von Fernand Léger aus dem Jahr 1952.

Perrin Antiquaires (Paris) trug ein wenig Eulen nach Athen: fünf handgemalte raumhohe Paneele, die einst in einem niederländischen Schloss ein Zimmer schmückten. Bei Michael Nolte (Münster) ticken alle Pendulen im Gleichtakt, so beispielsweise das um 1808 gefertigte, feuervergoldete Empire-Schlagwerk „Au bon Sauvage“ mit Seemann und Anker als Allegorie des Handels. Auch dieses elegante Stück kehrte heim, vielleicht auch nur auf Messezeit: Es trägt die Signatur „Hansett à Bruxelles“.

Noch bis 27.1., www.antiques-fair.be

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