Kultur : "Ihr seid krank": Ein Film in Cannes empört die Franzosen

Noch vor der Preisvergabe des Filmfestivals von Cannes hat der im Wettbewerb stehende Vergewaltigungs-Streifen "Irrversible" Empörung und Ohnmachtsanfälle ausgelöst. Der Film des in Paris lebenden Argentiniers Gaspard No, in Frankreich bereits angelaufen, habe in Cannes drei Zuschauer ohnmächtig werden lassen, berichtete die Pariser Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche". 20 Personen, überwiegend Frauen, litten unter Unwohlsein. Mehreren Zuschauern musste nach der offiziellen Vorstellung des Films im Festivalpalais mit Sauerstoffgeräten geholfen werden. "Irrversible" (siehe auch Tagesspiegel vom 26. Mai) zeigt einen äußerst brutalen Totschlag und die extrem lange Vergewaltigung einer Frau, dargestellt von Monica Bellucci. Frauenfeindlichkeit und Männergewalt betrachtet der Regisseur, wie er selber formulierte, als "naturgegeben". Die Pariser Sonntagszeitung nannte den Film, der in Frankreich für Jugendliche unter 16 Jahren verboten ist, trotz des Beifalls für Schauspieler und Regisseur in Cannes ein "Null-Ereignis". Unerträglich sei nicht die Vergewaltigung an sich, sondern die Länge des Gewaltaktes. "Ein Skandal. Eine Schande. Ihr seid krank", riefen empörte Zuschauer und verließen den Saal.

Die Preise des Filmfestivals wurden im Laufe des Sonntagabends verliehen. Insgesamt 22 Produktionen aus 15 Ländern stehen im Wettbewerb um die begehrte Goldene Palme. Roman Polanskis "Der Pianist", das Werk "Der Mann ohne Vergangenheit" des Finnen Aki Kaurismäki und der Film "Divine Intervention" des Palästinensers Elia Suleiman sind unter den Favoriten.

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