Kultur : Im Dickicht der Messen

Die New Yorker „ Armory Show“ sucht ihre Nische

Cay Sophie Rabinowitz

In zwei langen, in den Hudsonriver ragenden Piergebäuden versammelte die „Armory Show 2004“ insgesamt 186 Galerien aus 24 Ländern, darunter 25 Händler aus Deutschland und erstmals auch Teilnehmer aus Korea und China. Die viertägige Messe, die am vergangenen Montag endete, ist Nachfolger der hochgelobten Gramercy International (1994-1998) und fand erstmals im Februar 1999 in der 69. Regiment Armory statt, jenem Gebäude, in dem 1913 die legendäre Armory Show ausgerichtet wurde, die die Kunst der Moderne nach Amerika brachte.

Obwohl viele der Galerien alljährlich nach New York zurückkehren, fanden sich über 30 Galerien auf der Messe, die erstmals teilnahmen. Viele der Aussteller konzipieren spezielle Programme für die Messe: Vor vier Jahren etwa begann die New Yorker Galerie Tanya Bonakdar damit, jeden Tag einen anderen Künstler in einer Einzelausstellung zu zeigen. Friedrich Petzel, ebenfalls ein respektierter lokaler Galerist, folgte dem Beispiel und erklärte seine Entscheidung damit, dass Einzelausstellungen auch den Künstlern mehr Möglichkeiten eröffnen. Denn im Gegensatz zu den siebziger Jahren, als Galeristen wie Konrad Fischer aus Düsseldorf Messestände mit zentralen Arbeiten von Künstlern wie Bruce Nauman oder Carl Andre füllen konnten, gibt es heute zu viele Messen, zu viele Galerien und sogar zu viel Nachfrage. Oft sind die Galerieausstellungen erfolgreicher Künstler am Ende ausverkauft und lassen kaum Ware für die Messen übrig. Und Künstler, die wenig Interesse haben, neue Arbeiten für eine überfüllte Ecke in einer Messekoje zu produzieren, mögen die Herausforderung einer Einzelpräsentation eher annehmen.

Letztlich machten Details die Unterschiede in der Präsentation aus: In einer Koje mit orangenem Teppich und Designerstühlen von Karim Rashid zeigte Sarah Meltzer Arbeiten zu Preisen zwischen 1000 Dollar (für eine Edition von Jud Tallichet oder eine Zeichnung von Jan Albers) und 45000 Dollar für eine Skulptur von Jason Middlebrook. In anderen Kojen gestalteten Künstler der Galerie die Möbel. Casey Kaplans Kaffeetisch stammte von Liam Gillick, dessen Arbeit „Corral“ aus Plexiglas und Aluminium für 30000 Dollar einen Käufer fand. Der Stand der 303 Gallery enthielt Gartenstühle von Mary Heilman, deren Muster mit den Gemälden der Künstlerin korrespondierten.

Viele arrivierte Aussteller brachten junge Kunst auf die Messe, wie zum Beispiel die Victoria Miro Gallery aus London, wo die ornamental fließenden, erotisch aufgeladenen Bilder von Raqib Shaw (15000 Dollar) mit Arbeiten etablierterer Künstler, wie zum Beispiel Isaac Juliens Video „Martin Luther King“ und Doug Aitkens Leuchtkasten „Illuminated“ korrespondierten. Das Galerieimperium Hauser & Wirth, das inzwischen mit Dependancen in London, Zürich und New York operiert, zeigte Arbeiten der eher unbekannteren Künstlerinnen Caro Niederer und Berlinda De Bruyckere, die im Durchschnitt für 5000 Dollar zu haben waren. David Zwirner setzte auf arrivierte Positionen und verkaufte ein Bild von Luc Tuymans für 275000 Dollar und zehn Arbeiten von Stan Douglas für jeweils 10000 Dollar.

Im Rahmen des offiziellen deutschen Programms für Industriemessen im Ausland stellte das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Mittel zur Verfügung, um die insgesamt 16 deutschen Galerien mit finanzieller und organisatorischer Unterstützung zu fördern. So wurden beispielsweise die Beteiligungen von Barbara Thumm aus Berlin, Hammelehle und Ahrens aus Stuttgart und Meyer Riegger aus Karlsruhe unterstützt. Das meistbesprochene Debüt unter den deutschen Galerien lieferte Giti Nourbakhsch aus Berlin, die mehrere Gemälde von Anselm Reyle für je 6000 Dollar verkaufen konnte.

Es bleibt abzuwarten ob ein ähnlicher Enthusiasmus im September entsteht, wenn in Berlin wieder das Art Forum ausgerichtet wird. Denn die Dichte der Kunstmessen nimmt stetig zu und obwohl New York noch immer das Zentrum des internationalen Marktes für zeitgenössische Kunst ist, gewinnt die Art Basel Miami mit ihrer enthusiastischen Mischung aus lateinamerikanischen Künstlern, Galerien und Sammlern zunehmend an Bedeutung, und die Schweizer Art Basel ist nach wie vor die am professionellsten ausgerichtete Messe – zu Standpreisen, die sogar leicht unter denen von New York liegen.

Übersetzung: Christian Rattemeyer

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