Kultur : Im Fluss

Berlins Haus der Kulturen lädt zur „Wassermusik“

Florian Zimmer-Amrhein

Von Donau, Amazonas und Nil her wehen die Klänge bis an die Spree. Zum dritten Mal lädt das Haus der Kulturen der Welt ab heute zum Open-Air-Festival „Wassermusik“. Nachdem letztes Jahr die Karibik der Schwerpunkt war, wendet sich das diesjährige Programm großen Flüssen zu.

Die dreiwöchige Veranstaltungsreihe mit Künstlern verschiedenster Herkunft eröffnen die Gypsy Queens & Kings, eine 20-köpfige paneuropäische Allstar- Band. Unterstützt wird sie von der rumänischen Mahala Raï Banda. Balkan-Pop und Gypsy-Rock vereinigen sich zu einer rauschhaften Bühnenshow, die „die beste Gypsy-Party auf dieser Seite der Donau“ („The Guardian“) zu werden verspricht. Im Anschluss ist Emir Kusturicas Komödie „Schwarze Katze, weißer Kater“ zu sehen. Der Kultfilm liefert eindrucksvolle Bilder von den Ufern der Donau.

Aus der Amazonasregion kommt mit dem Sänger und Radiomoderator Ranil eine echte Legende der peruanischen Chicha nach Berlin. Seit den Siebzigern ist er als musikalischer Innovator und politischer Aktivist eine der großen kulturellen Figuren seines Landes. Die nach einem einheimischen Maisbier benannte Musikrichtung war wiederum namensgebend für die New Yorker Band Chicha Libre, die im Anschluss auftritt. Sie mischt indigene Folklore mit Reggae, Rock ’n’ Roll, psychedelischem Pop und Surfmusik.

Eine weitere Legende findet mit dem Brasilianer Sebastião Tapajós ihren Weg nach Berlin. Gemeinsam mit Luiz Bonfá und Baden Powell zählt er zu den größten südamerikanischen Gitarristen. Den Zuhörer erwarten neben Bossa Nova und Jazzstücken auch Coverversionen aktueller Pophits. Mit der Dancehall-Combo Btownbusted bereichert eine Berliner Band das „Wassermusik“-Festival. Bei zahlreichen Auftritten im Reggae-Club Yaam am Ostbahnhof hat Btownbusted bereits unter Beweis gestellt, dass sie für euphorische Tanzstimmung sorgen. Angeführt wird die Band von Johnny Strange, Mitbegründer und Sänger von Culcha Candela. Der Frontmann mit der markanten Bassstimme wird sich bei einem Nil-Special seinen afrikanischen Wurzeln widmen. Seine Eltern stammen aus Uganda, dem Staat am Oberlauf des Nils.

Abseits von Musik und Film können sich Besucher des Festivals auf einen Stargast aus Frankreich freuen: Michel Serres, französischer Wissenschaftstheoretiker und Philosoph, wird an zwei Tagen (30./31. Juli) „Sommergespräche an der Spree“ führen. Er diskutiert unte anderem mit Catherine David und Alexander Kluge. Unter dem Titel „Michel Serres – Irrfahrten und Schiffbrüche“ gibt er Einblicke in seine Denk- und Arbeitsweise.

Zum Abschluss des Festivals (13.8.) gibt Omar Souleyman aus Syrien ein Konzert. Es ist ein Vorgeschmack auf das „Wassermusik“-Thema des kommenden Jahres: Wüste. Florian Zimmer-Amrhein

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