Kultur : Im Frühtau

ELFI KREIS

Der Wald steht schwarz und schweiget.Auch aus den Wiesen, die Attila Szücs in perlmuttschillernde Pastellfarben taucht, steigt der grünlichweiße Nebel auf - wunderbar.Doch schon stiefeln Männer mit Jagdgewehren durch den Frühtau: aus der Traum von der unschuldigen Naturidylle.Szücs ist der etablierteste und mit zweiunddreißig auch der älteste unter den vier ungarischen Malern in der Ausstellung "Im Morgengrauen ist es noch still ...".Konzipiert wurde die Schau mit Landschaftsbildern vom 1997 gegründeten Institut für zeitgenössische Kunst in Dunaújváros, 70 Kilometer von Budapest entfernt.Projektleiterin Lívia Páldi wertet das Thema Landschaft als zentrales Motiv der jungen Malergeneration ihres Landes.

Bei Szücs, Zsolt Fejérvári, Bohdan Hostinak und Luca Korodi wird Landschaft zur kognitiven Versuchsanordnung: zu einem Erkenntnismodell für das Verschwimmen der Grenzen zwischen Schein und Sein, der Wechselwirkung von alltäglicher und virtueller Realität.Ambivalenz und das Moment des Trügerischen prägen ihre Bildwelten.Sie verweisen auf die Künstlichkeit vermeintlich unberührter Natur wie auf die vorgetäuschte Naturnähe künstlicher Welten.

Medienbilder, digitale Fotos, Simulationsprogramme des Computers liefern die Arbeitsvorlagen.Die Stille von Hostinaks einsamen Hügellandschaften durchbrechen symbolbefrachtete Flug- und Fremdkörper und verwandeln sie in Endzeitvisionen.Fejérváris Arbeiten zeigen den Einfluß der Bildästhetik von Gameboy, Video- und Computerspielen.Beide stilisieren die Trivialität von Kalenderblattmotiven zur Methode und schrecken auch vor Kitsch nicht zurück.Korodi schmuggelt verspielt Vexierbilder von Katze oder Eidechse zwischen die pastosen Farbtupfer schrundiger Gebirgshänge und grüner Täler.Den Absturz in die Niederung des Niedlichen hat sie damit programmiert.

Haus Ungarn, Karl-Liebknecht-Straße 9, bis 18.Dezember, geöffnet Montag bis Freitag 10 - 18 Uhr.

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