Kultur : Im Jahr der Drachen

Silvia Hallensleben

London liegt in Trümmern, hier und dort flackert noch ein Feuer. Über den Ruinen von St. Paul‘s und Westminster kreisen riesige Vögel auf der Suche nach letzten Resten von Leben. Sollte hier England dem Ansturm deutscher Weltkrieg-II-Bomber erlegen sein? Nicht doch. Die Herrschaft des Feuers erzählt Zukunft, nicht Geschichte. Und nicht Technik, sondern Kreatürlichkeit hat gewütet. Wir schreiben das Jahr 2020. Die Vögel sind Drachen, eine napalmspeiende Spezies, und sie haben es geschafft, den Erdball zu einer Wüste zu machen.

Nur eine Minute braucht Regisseur Rob Bowman zu Anfang, um uns vom geschäftigen Großstadtheute in ein pseudo-mittelalterliches Schottland zu transportieren und in einer collagierten Tour de Force durch Nachrichtenfetzen und Schlagzeilen über die Vorgeschichte der Drachenplage aufzuklären. Dann übernehmen die Untiere das Weltregiment. Nur ein paar tapfere Briten harren filzläusig samt Weib und Nachwuchs in ihrem Bunker aus. Als wir sie schon für die einzigen Überlebenden halten, steht plötzlich die US-Army vor dem Burgtor – zumindest das, was von ihr übrig geblieben ist: ein paar Panzer, ein Hubschrauber samt Pilotin und ein Kerl von einem Kommandeur, allesamt zwar höchst erschöpft, doch noch immer eifrig auf der Suche nach dem Feind.

Briten-Führer Quinn (Christian Bale) ist not amused über die unerwartete Hilfe und reagiert mit spontanem Antiamerikanismus. Außerdem stehen die Engländer plötzlich als Memmen da, weil sie sich auf eine vorsichtige Appeasement-Politik gegenüber den Drachen eingelassen hatten. Alsbald aber beweisen die Amis den widerwilligen Alliierten, dass nur Entschlossenheit – und intelligente Jagdtechnik – den Feind besiegen kann. Die Machtverhältnisse sind dabei eindeutig: „Ich führe, ihr folgt“, so bringt es Ober-Marine Van Zan, ein tätowierter Glatzkopf (Matthew McConaughey), auf den Punkt.

Nichts stimmt in diesem Film, weder Plot noch Erzähllogik. Doch bei echtem Trash ist das nicht unbedingt von Schaden. Am meisten Spaß machen dabei noch die leider nicht allzu opulent ausgestatteten Drachenattacken. Den unschuldigen Genuß stört aber der penetrant kriegstreiberische Unterton. Ob Drachen, Nazis, Terroristen oder Schurkenstaaten: Du hast nur eine Wahl, töten oder getötet werden… Am gewinnbringendsten lässt sich „Die Herrschaft des Feuers“ wohl als Kommentar auf das aktuelle deutsch-amerikanische Verhältnis lesen. Erst kurz vor dem siegreichen Ende wird Van Zan seiner auf Triostärke zusammengeschrumpften Hilfstruppe aus pädagogischen Gründen etwas Eigenverantwortlichkeit zugestehen: „Ihr führt, ich folge.“ Aber da sind die Lehrlinge schon die besseren Amerikaner geworden. (In 18 Berliner Kinos, Originalversion im Cinestar Sony-Center; Foto: Buena Vista)

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