Kultur : In der Todeszone

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Auschwitz verurteilt zu ästhetischer Ohnmacht: Lange wurde mit der Frage, ob die Gräuel der Shoah abbildbar seien, Adornos später zurückgenommenes Diktum verbunden, Lyrik sei nach Auschwitz nicht mehr möglich. Scharf ging „Shoah“Regisseur Claude Lanzmann mit Spielbergs Hollywood-Holocaust ins Gericht; an der Ästhetik von Mahn- und Erinnerungsmalen entzünden sich bis heute Dispute. Mit David Olères Werken ist nun ein Genre repräsentiert, das es noch nicht gab. Als einziger überlebender Maler drang der Auschwitz-Häftling bis ins Innerste des Lagers vor. Schon mit 13 wurde der Pole in die Warschauer Kunstakademie aufgenommen. Das 1902 geborene Wunderkind gelangt 16-jährig als Stipendiat nach Berlin, wo ihn Ernst Lubitsch als Studiodekorateur engagiert. 1923 zieht er nach Paris, verkehrt mit Max Ernst und Modigliani, sein Sohn Alexandre kommt 1930 zur Welt. 1943 steht die Vichy-Polizei vor der Tür, um den Vater abzuholen; mit dem Transport Nr. 49 kommt er nach Auschwitz Birkenau. Er wird gezwungen, Gaskammern zu räumen, Gräben auszuheben, Krematorien mit Leichen und Brennmaterial zu versorgen. Nach der Befreiung 1945 beginnt Olère, aus dem Gedächtnis die traumatischen Szenen zu zeichnen und zu malen. Er stirbt 1985. Der Sohn brauchte Jahre, bis er den Mut findet, die Werke zu veröffentlichen. cdf

David Olère (Bilder), Alexandre Oler (Texte): Vergessen oder Vergeben. Bilder aus der Todeszone. Zu Klampen

Verlag, Springe, 2004. 120 S., 24 €

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