Kultur : In weiter Ferne so nah

Warum in die Ferne schweifen, weit übers Meer und quer durch die Wüste? Australien, das Ende der Welt, liegt so nah für Berliner Augen.Das "Erste Australisch-Neuseeländische Filmfest", das heute abend mit einem Kurzfilmprogramm in der Parochialkirche eröffnet wird, zeigt über 20 Spielfilme vom fünften Kontinent.Und macht, so gebündelt, darauf aufmerksam, wie erfolgreich und präsent australische Regisseure in den letzten Jahren in deutschen Kinos waren.

Was nur zum Teil dem Zauber ferner Länder und Kulturen geschuldet ist.Der zornig-engagierte "Once were warriors" von Lee Tamahori über den Ausbruch einer Maori-Kriegerin aus der Enge ihrer Ehe thematisiert nicht nur den Unabhängigkeitskampf der Aborigines, sondern ist ein eindringlicher Kommentar zur Emanzipation.Martyn Sandersons "Samoa", der vom vergeblichen Kampf samoanischer Ureinwohner gegen die westliche Kultur erzählt, geht in die gleiche Richtung.Auch der berühmteste australische Film, Jane Campions "Piano", lebt von der Spannung zwischen Ureinwohnern und Fremden.Klavierspiel als Befreiung auch in Scott Hicks "Shine", der für den Pianisten David Helfgott ein Comeback auslöste.

Eher psychologisch ungewöhnlich sind einige australische Filme, in denen die Grenzen zwischen Psychodrama und Horrorfilm verwischen."Heavenly Creatures", der Film, der Kate Winslet bekannt machte, verstört durch die hitzig-aggressive Schilderung einer mörderischen Mädchenfreundschaft.Colin Egglestons "Long Weekend" machte 1987 einen Naturtrip zivilisationsmüder Großstädter zur Alptraumfahrt.Und in Peter Weirs "Picknick am Valentinstag", einem frühen Erfolg des australischen Kinos, wird ein Schulausflug in idyllischer Landschaft still und unaufhaltsam zum Horrortrip.

Peter Weir ist seit den siebziger Jahren einer der produktivsten Vertreter australischen Kinos.Mit dem Endzeit-Drama "Die letzte Flut" über eine Flutkatastrophe, die Sydney bedroht, und dem Antikriegsfilm "Gallipoli" ist er auf dem Festival mit selten gezeigten, frühen Filmen vertreten, die ihn noch näher an seiner Heimat zeigen als die deutlich amerikanisierten Beispiele der letzten Jahre, der Mormonen-Thriller "Der einzige Zeuge" oder das College-Panorama "Club der toten Dichter".

Erfolg in Europa hatte Australien aber vor allem mit Komödien, die Kultstatus erlangten: "Priscilla - Königin der Wüste", ein schrilles Roadmovie von einer Irrfahrt dreier Transvestiten, oder P.Hogans in Deutschland im Zuge der ABBA-Renaissance erfolgreiche "Muriels Hochzeit" über die Entwicklung eines häßlichen Entleins zum Braut-Schwan.Kultfilme, die von der Verwandtschaft eines Lebensgefühls zeugen.In weiter Ferne so nah. til

Bis zum 19.August im Balázs, Blow Up, Filmkunst 66 und Podewil

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