Indie-Pop : Sag Ja zum Yeah

Rumpelbeats und Mitsingmelodien: Mondo Fumatore sind Berlins charmantestes Indie-Pop-Duo.

Nadine Lange
Mondo Fumatore
Aufwärts: Gwendolin Tägert und Marc Saura sind Mondo Fumatore. -Foto: Mike Wolff

Die erste Nervositätswelle ist überstanden. Jetzt müssen nur noch Gitarrensaiten gekauft und die Koffer gepackt werden. Gwendolin Tägert und Marc Saura stecken mitten in den letzten Tourvorbereitungen. Am nächsten Tag geht es los – endlich wieder. Es ist schon mehr als drei Jahre her, dass die beiden als Mondo Fumatore außerhalb Berlins gespielt haben. Ihr letztes Album liegt sogar schon fünf Jahre zurück. Was war da los? Verlegenes Lachen. „Wir haben uns halt ein bisschen verzettelt“, sagt der 38-jährige Saura, während er sich in Tägerts Kreuzberger Altbauküche eine Zigarette dreht. Er erzählt, dass sie entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten versucht hätten, in einem Probenraum Songs zu schreiben, und ein Bandgefühl erzeugen wollten. Doch es klappte nicht. Also kehrte das Duo nach zwei Jahren ins gute alte Homestudio zurück und machte sich wieder an die Bastelarbeit mit Synthies, Samplern und Gitarren.

In dieser Lo-Fi-Kunst haben Mondo Fumatore es inzwischen zu einer beachtlichen Meisterschaft gebracht, wie man auf ihrem im Frühjahr erschienenen Album „The Hand“ (Rewika Records) hören kann. Es ist ein dynamisches Amalgam aus Electroclash und Garagenrock, dessen oberstes Ziel die Instant-Melodie-Beglückung ist. Mustergültig führen die beiden Beatles-Fans das besonders im ersten Teil der Platte vor. So setzt sich gleich der mit Rumpelbeat und melancholischem Gitarrenlick daherkommende Opener „Rosi“ unwiderstehlich im Ohr fest. Und mit „Yeah Yeah Yeah“ ist Mondo Fumatore sogar ein kleiner Sommer-Hit gelungen. Dinosaur-Jr.-Gitarrengott J Mascis glänzt darin mit einem kleinen Solo. Gwen konnte ihn dafür gewinnen, als sie eine alte Berliner Freundin in den USA besuchte – die ist mit Mascis verheiratet.

Eigentlich müsste „Yeah Yeah Yeah“ im Radio rauf- und runterlaufen – zumal ähnlich funktionierende Duos wie The Ting Tings oder The Kills gerade schwer angesagt sind. Doch leider wird es wohl auch diesmal nichts mit dem großen Durchbruch, der Mondo Fumatore schon einige Male prophezeit wurde. So sind sie bereits seit zehn Jahren und vier Alben ein Geheimtipp. Warum es immer dabei geblieben ist, können sie nicht recht erklären. Erfolg wäre zwar schön, bedeutet ihnen andererseits nicht übermäßig viel. „Hauptsache, wir machen immer noch Musik“, sagt die 37-jährige Gwen Tägert, deren Bruder der Comiczeichner Fil ist. „Für Charaktere wie uns ist es besser, auf kleiner Flamme zu fahren und dafür länger durchzuhalten.“

Dazu gehört auch, dass sie beide noch „richtige“ Jobs haben: Tägert arbeitet im Schöneberger Scheinbar-Varieté und der Halbspanier Saura bei einer Synchronfirma. Zeit ist vor allem für ihn, der eine junge Familie hat, ein knappes Gut. Sein ständiges Gehetze thematisieren Mondo Fumatore in dem Song „Sand“, in dem es heißt: „My time looks at me with a smile every time it comes by. Says slow down just for a while.“ Das Stück erinnert ein wenig an The Jesus And Mary Chain, eine der großen Achtziger-Jahre- Bands, die die beiden ebenso verehren wie The Cure oder The Psychedelic Furs. Viele dieser Einflüsse haben Spuren im Sounduniversum von Mondo Fumatore hinterlassen, was sie auch offen zugeben. „Ja, unser Eklektizismus. Der schleicht sich immer wieder ein“, sagt Marc Saura, neben dem ein halber Meter Schallplatten lehnt – ganz vorne „Psycho Candy“ von The Jesus And Mary Chain.

Mit „The Hand“ orientieren sich Mondo Fumatore wieder mehr in Richtung Indie-Rock. Anders als beim Vorgängeralbum haben sie diesmal eine Reihe von Songs mit echtem Schlagzeug statt mit rappeliger Beatbox aufgenommen. Da trifft es sich gut, dass sie den Drummer- Posten kürzlich wieder vergeben haben: Auf Empfehlung von Jens Friebe engagierten sie O-Love (Oliver Arndt), der früher bei den Hip Young Things trommelte. Und mit Krite (Christopher Uhe) gehört ein weiterer Gitarrist zur Tourmannschaft. So ist es dann doch noch etwas geworden mit dem Bandgefühl, das sich Tägert und Saura gewünscht hatten. Im Probenraum hat es schon richtig gut gerockt.

Konzert am 4.6., 20 Uhr, mit Ja, Panik und Britta im Lido, Cuvrystr. 7

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