INTERVIEW : „Die Russenmafia findet den Film gut“

Wie realistisch ist diese Welt der russischen Mafia, die Sie in ihrem Film zeigen?

Die Recherche über die russische Mafia hat mich zur Recherche über Russland und den neuen russischen Kapitalismus gebracht, der nach dem Fall der Sowjetunion in seiner reinsten und primitivsten Form entstanden ist. Und aus dieser Recherche sind kreative Ideen entstanden. Wie die Mafia dargestellt wird, ist teils realistisch, teils fiktional. Wir haben über Freunde und Bekannte mitbekommen, dass russische Gangster den Film ziemlich gut finden. Es stört sie nicht, dass wir sie als Verbrecher zeigen, weil sie nun mal Verbrecher sind, aber es hätte sie gestört, wenn wir uns über sie lustig gemacht oder wenn wir die Details falsch wiedergegeben hätten.

Ein Amerikaner, ein Deutscher und ein Franzose spielen die wichtigsten russischen Rollen. Gab es keine Russen?

Es gibt natürlich russische Schauspieler, die für diese Rollen gepasst hätten, aber sie sprechen nicht gut genug Englisch. Ich muss aber in Englisch Regie führen können und ihr Englisch hätte trotz russischem Akzent so gut sein müssen, dass sie sehr gut verständlich wären. Es war also sehr schwierig und ich habe niemanden gefunden, der all diese Anforderungen erfüllt hat. Versucht aber habe ich es durchaus. Ich hatte das Gefühl, dass ich woanders suchen muss, um einen spannenden Satz an Gesichtern, Stimmen und Persönlichkeiten zu finden. Deswegen dieser Mischmasch.

Woher stammt Ihre Faszination für körperliche Veränderungen – wie hier Tätowierungen?

Für mich liegt der erste Faktor menschlicher Existenz im Körper. Ich bin Atheist. Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod, an Karma-Recycling. Für mich ist der Körper das, was wir sind, unsere Identität. Aber ich denke sehr wohl, dass wir an der Schöpfung einer Identität beteiligt sind. Vieles ist genetisch bedingt, aber ein kreativer Wille ist am Prozess beteiligt, mit dem wir das werden, was wir werden. Wir treffen Entscheidungen, wir imitieren, wir nehmen bestimmte Verhaltensweisen an. Wenn man wirklich will, kann man jemand anderes werden. AlSo

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben