"Plötzlich stand David Bowie hinter mir und sagte: Ich mach's"

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Interview mit Ute Wieland und Uli Edel : Heldinnen der Großstadt
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Die Freundinnen Jameelah (Emily Kusche, l.) und Nini (Flora Li Thiemann) sind zusammen unschlagbar.
Die Freundinnen Jameelah (Emily Kusche, l.) und Nini (Flora Li Thiemann) sind zusammen unschlagbar.Foto: Constantin Film

Was glaubten Sie denn selbst?
EDEL: Es war ja mein erster Kinofilm, ich sah immer nur die Schwächen. Eine positive Rückmeldung gab es: Anfangs wussten wir noch nicht, ob David Bowie mitmachen würde – wir konnten ihn nicht bezahlen. Sein Management hatte gesagt: Wenn du den Film halb fertig hast, mach eine Schnittfassung, er schaut sich das an und entscheidet. Als ich am letzten Tag im Sound fürs Bowie-Konzert drehte, da stand Bowie plötzlich hinter mir und sagte: Ich mache mit.

Musik spielt in beiden Filmen eine Rolle.
WIELAND: Ich hatte Uli Edels Film ja als Vorbild und wollte gern einen Song finden, der das schafft, was „Heroes“ für „Christiane F.“ schafft. Als Platzhalter lief bei mir eine Weile „Lust for Life“ von Iggy Pop, aber im Schnitt merkte ich, dass das nicht funktioniert. Es war einfach zu erwachsen, wirkte aufgestülpt, ich brauchte Musik von einer jungen Band, um auszudrücken, was junge Leute hören. Die Kicker Dibs passten von der Energie und den Bildern her viel besser.

EDEL: Ich wollte erst nur „Heroes“ als Hymne, und Bowie sollte „Station to Station“ singen. Während des Schnitts habe ich gemerkt, dass alle Bowie-Songs passen. Nach und nach habe ich dann den Score weggeschoben und mehr Bowie-Songs angefragt. Beim sechsten hat das Management gemerkt, dass man eine ganze Bowie-Platte machen kann. Der Soundtrack war dann enorm erfolgreich.

1981. Nadja Brunckhorst als "Christiane F". am Bahnhof Zoo.
1981. Nadja Brunckhorst als "Christiane F". am Bahnhof Zoo.Foto: imago/United Archives

War es 1980 einfacher, an öffentlichen Orten zu drehen, als heute?
EDEL: Der Film hieß ja „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ – aber wir durften im Bahnhof Zoo nicht drehen! Er stand unter DDR-Verwaltung. Alle Innenaufnahmen haben wir ohne Genehmigung gemacht. Ich setzte meinen Kameramann in einen Rollstuhl, er hielt einen Pappkarton mit einer Kamera drin und ich schob ihn durch die Halle. Das sieht man auch, es sind Unschärfen drin, aber es gibt dem Ganzen auch diesen unmittelbaren Charakter.

WIELAND: Wir konnten natürlich nicht in der Kurfürstenstraße auf dem Straßenstrich drehen. Das heißt, wir konnten lediglich dokumentarisch drehen, wie die Mädchen die Treppe des U-Bahnhofs hochgehen und durch die Straße laufen. Der Rest des Settings ist inszeniert, an einer nicht befahrenen Unterführung in Charlottenburg. Nachts durften wir mit den Jugendlichen überhaupt nicht arbeiten – da sehe ich mit Begeisterung die Nachtbilder in „Christiane F.“.

EDEL: ... die auch alle nicht erlaubt waren! Natja Brunckhorst wurde während der Dreharbeiten 14.

WIELAND: Flora Li Thiemann, die Nini, wurde bei meinem Dreh auch erst 14. Ich hatte eine einzige Ausnahmegenehmigung bis 23 Uhr, aber im Sommer wird es spät dunkel, viel Zeit war nicht. Ich habe deshalb fast alle Nachtszenen auf Innenszenen oder Tagszenen umgeschrieben.

EDEL: Wir haben in öffentlichen Toiletten im Bülowbogen gedreht – wir hätten uns gar nicht leisten können, die nachzubauen. Aber wir wollten den Kindern natürlich nicht zumuten, morgens in einer Toilette zu arbeiten, in der die ganze Nacht gedrückt wurde. Also haben wir erst einen Reinigungstrupp hingeschickt und sie danach wieder schmutzig gemacht. Eines Morgens lag dort tatsächlich ein junger Fixer mit Überdosis, wir haben die Ambulanz angerufen. Ein paar Mal fand ich Drogen in den Zwischenwänden, die dort deponiert worden waren. Einmal nahm ich einen Packen Heroin in die Hand und sagte aus Spaß zu Bernd Eichinger: Damit könnten wir doch ein paar Drehtage finanzieren! In dem Augenblick kam der Dealer rein. Der fand das gar nicht lustig.

- Das Gespräch führte Jenni Zylka.

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