Israel-Film blockiert : Antifas als Antisemiten

Wie ein "anti-imperialistisches Zentrum" in Hamburg die Aufführung eines Israel-Films des "Shoa"-Regisseurs Claude Lanzmann mit Gewalt verhinderte.

Christiane Peitz

Genauso erschreckend wie der Vorfall selbst ist die Tatsache, dass er erst jetzt so richtig publik wird. Das Hamburger Kinokollektiv B-Movie wollte gemeinsam mit der Gruppe „Kritikmaximierung“ Claude Lanzmanns Debütfilm „Warum Israel“ von 1972 zeigen, eine Reportage über das Lebensgefühl der Israelis und die Geschichte der Staatsgründung. Die Aufführung am 25. Oktober wurde jedoch mit Gewalt verhindert, nicht von Alt- oder Neonazis, sondern von selbst erklärten Antifaschisten. Das benachbarte antiimperialistische Zentrum B 5 versperrte das Kino, simulierte einen „Checkpoint“ und wehrte Kinobetreiber wie -besucher mit Holzgewehren und Schlaghandschuhen ab. Eine Aktion, mit der man die angeblich „prozionistische Veranstaltung“ verhindern und auf das „Apartheids“-Schicksal der Palästinenser aufmerksam machen wollte. Nachdem sich die Veranstalter vergeblich um Gewaltfreiheit bemühten, zogen sie ab, man prügelte sich, einige Besucher wurden verletzt. Die Polizei schritt ein, wegen Volksverhetzung wurde nicht ermittelt.

Dass es dabei, wie die „taz-Nord“ berichtete, auch zu Beschimpfungen wie „ihr Judenschweine“ kam, wird von Vertretern des Zentrums B 5 bestritten. In der Zeitung „Jungle World“ und in Blogs wird seitdem heftig debattiert, in Frankreich veröffentlichte „Le Monde“ am 13. November eine Notiz. Der Hamburger Landesverband der Linken hatte das Rechtfertigungspamphlet der Blockierer kurzzeitig auf seine Homepage gestellt, sich dann aber doch distanziert. Die beizeiten informierte bürgerliche Hamburger Lokalpresse berichtete erst jetzt, nachdem „Spiegel online“ den Vorfall aufgegriffen hatte.

Wild gewordene Antifas als tätige Antisemiten: Claude Lanzmann nennt die Gewaltaktion „weltweit einmalig“, auch jüdische Gemeinden und Organisationen sind empört. Zu Recht: Eine Filmaufführung zu verhindern, Bilder zu verbieten, war eine bewährte Methode der Nationalsozialisten.

Wer die Statements der Streithähne liest, fühlt sich angesichts des Jargons in die späten siebziger Jahre zurückversetzt, als die einäugige Solidarität mit den Palästinensern und die pauschale Verdammung von Israel Schule machte. Seitdem hat der linke Antisemitismus Tradition.

Und er lebt fort, in Nachbarschaftskriegen zwischen Verbalradikalen, bei denen der Hass auf die „anderen“ Linken auch mal so blind wird, dass er sich als Hass auf die Juden artikuliert. Das B-Movie und B 5 sind Mieter im gleichen Haus, in der Brigittenstraße im Schanzenviertel. Man teilt sich Räumlichkeiten und streitet sich schon lange.

Claude Lanzmanns Film als Waffe im Kampf um die richtige linke Gesinnung – ein Missbrauch von beiden Seiten. Justiziabel ist das nicht, wohl aber die Tatsache, dass Kinobesucher mit Gewalt und antisemitischem Agitprop davon abgehalten wurden, sich einen Film anzuschauen.

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