Kultur : Jazz: Reiche Plünderer

Johannes Völz

Er macht es sich einfach. Früher, vor zehn Jahren etwa, war Ronny Jordan einer der Ersten, der Jazz mit Hip Hop und Funk vermischte. Bald schon hieß die Kreation "Acid Jazz" und zog, unterstützt von emsigen DJs, in die Londoner Clubs ein. Weil das so gut ankam, hat sich Ronny Jordan offenbar entschlossen, immer so weiter zu machen: Ein simpler Funkbeat, Keyboardklänge im Hammond-Format und dazu Jordans Gitarre, die weniger nach Jordan denn nach Wes Montgomery und Grant Green klingt. Dass die Zeit auf Tanzflächen schneller vergeht als anderswo und "Acid Jazz" für Anhänger des Club-Jazz längst zu einem Unwort geworden ist, kümmert Jordan nicht. "Acid Jazz lives", verkündet er seinen Fans im Quasimodo. Die scheinen das wirklich zu glauben und nicken - wie zur Bestätigung - bei jedem Stück mit dem Kopf. Immerhin, tanzbar ist diese Musik: Schlagzeuger Tony Lewis und Bassist Damon Banks ziehen den Rhythmus schön entspannt hinter sich her. Und bisweilen lässt Keyboarder Carlton Holmes sogar einen harmonischen Einfall erkennen. Doch dann kommt Ronny Jordan, dudelt ein paar Souljazz-Klischees und lässt völlig außer Acht, dass es beim Improvisieren darum geht, eine Geschichte zu erzählen. Allenfalls die Sängerin Krystin Cummings sorgt für ein wenig Abwechslung: Bluesgeladen haucht sie die erste Strophe des Klassikers "Summertime", bevor der gewohnte Beat einsetzt und Cummings etwas überstürzt ihre Soulröhre einschaltet. Am Ende überlässt sich Jordan dann ganz der Einfallslosigkeit: Er tauscht die Mitmusiker gegen einen DJ und spielt zu dessen Houseplatten ziellos vor sich hin. Der DJ hätte es alleine auch getan.

0 Kommentare

Neuester Kommentar