Kultur : Jenseits aller Grenzen

POP

Philipp Lichterbeck

Nun hat man sich also doch auf einen Namen geeinigt. „Mestizo“ soll sie heißen, diese sich in Europa seit Mitte der Neunziger epidemisch ausbreitende Musik. „Bastardo“ und „Hafensound von Barcelona“ wären die Alternativen gewesen. Übersetzt heißt „Mestizo“: Mischling. Womit die Melange aus Flamenco, Rumba, Reggae, Ska, Hip Hop, Rock und ein bisschen Elektronik zwar nicht vollständig, aber auch nicht unpassend beschrieben wäre. Unangefochtene Metropole dieses Sounds ist Barcelona, ihr prominentester Vertreter der Francospanier Manu Chao. In seinem Fahrwasser sind Gruppen wie Macaco oder Ojos de Brujo längst nach Deutschland gekommen.

Eher unbekannt ist hierzulande noch die 32-jährige Amparo Sanchez und ihre Band Amparanoia. Was daran liegen mag, dass ihre Platten bisher nur als Importware zu haben waren. In Spanien hingegen kennt die Andalusierin jeder. Mitunter wird sie auch als Chaos Schwester bezeichnet, tatsächlich war er ihr Freund. Mit rotem Rock, Turban und sechs Mitstreitern tritt sie spät auf die Bühne im SO 36 , das dank eines Eintrittspreises von 17 Euro nicht mal halb gefüllt ist (von einer bekennenden Zapatistin und Globalisierungskritikerin hätte man mehr Solidarität mit den Armen dieser Stadt erwartet): Mit Parolen wie „der Kampf geht weiter“, „eine neue Welt ist möglich“ und „wir sind keine Loser“ versucht sie ihr Publikum aufzumuntern, verpackt in trittsichere karibiklastige Kompositionen. Für Momente wagen Amparanoia gar die Weiterentwicklung des Genres, der Balkan war bisher noch unentdecktes Terrain. Ein Geiger fiedelt seine Melodien. Mestizos kennen einfach keine Grenzen.

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