Kultur : „Jetzt nur nicht in Hektik verfallen“

Wowereit über Berlins Opern und das Deutsche Theater

Frederik Hanssen

Es ist fünf vor zwölf, als Klaus Wowereit den Saal 376 im Berliner Abgeordnetenhaus betritt. Bei der zweiten Sitzung des Kulturausschusses in der neuen Legislaturperiode gibt der Regierende Bürgermeister zu symbolischer Stunde seinen Einstand als Kultursenator. Wowereit soll der Lucky Luke der hauptstädtischen Kunstszene werden: Der Mann, der schneller zieht als sein Schatten. High noon. Nun ja.

An Wowereits Seite nimmt Kulturstaatssekretär André Schmitz Platz. In seinem schwarzen Westenanzug mit Fliege sieht er aus, als wolle er gleich das Lied des Oberkellners Leopold aus dem „Weißen Rössl“ anstimmen: „Zuschau’n mag I net.“ Muss er aber, denn bei dieser Sitzung führt der Chef das Wort. Wer weiß, wie oft der künftig noch Zeit findet, sich erst 80 Minuten lang Ausführungen der Opernintendanten und -geschäftsführer zu regressiven Zuschussentwicklungen und überplanmäßigen Einnahmesollsteigerungen anzuhören, um anschließend die bissigen Nachfragen der Opposition zu parieren.

Zunächst geht es allerdings ums Deutsche Theater (DT). Wie der Regierende denn das Verhalten des ehemaligen Senators Thomas Flierl bewerte, der drei Tage vor dem Ende seiner Amtszeit Thomas Oberender zum neuen Intendanten des DT benannt habe, wollen die Grünen und die FDP wissen. Er werde sich hüten, bollert Wowereit in bestem Hemdsärmel-Sound zurück, diese Personaldiskussion zu kommentieren. Schließlich sei in der Angelegenheit noch keine Entscheidung gefallen: Ohne Zustimmung der zuständigen Gremien, macht der Regierende Kulturmeister unmissverständlich klar, sei Oberenders Vertrag nicht das Papier wert, auf dem er stehe.

Thomas Flierl, der nun als PDS-Abgeordneter im Kulturausschuss sitzt, schweigt dazu – wie auch zur leidigen Frage nach der Zukunft der Opern. Hier äußert sich freilich auch Wowereit schwammig, wiederholt seine Formulierung, Berlin sei nur in der Lage, zwei Häuser nach internationalen Maßstäben auszustatten, um sofort zu betonen, er wolle sich von keinem Musiktheater trennen. Aufgabe der Politik sei es zu klären, ob die finanziellen Rahmenbedingungen der Opernstiftung zugunsten der Häuser verändert werden können. Dabei solle man „jetzt nur nicht in Hektik verfallen“ und erst mal alle Fakten analysieren. Will da einer Zeit schinden, um Stimmungen in der Stadt sondieren und sich dann auf die Seite der Mehrheit schlagen zu können?

Der Generaldirektor der Opernstiftung übrigens fehlt an diesem Montag. Sie sei von Michael Schindhelm um 10 Uhr 30 informiert worden, erklärt die Ausschussvorsitzende Alice Ströver (Grüne), dass er seinen Rückflug aus dem Tessin verpasst habe.

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