Kultur : Jimmy Durham

Christiane Meixner

Zum Abschied hat er Fundstücke aus seinem Berliner Atelier mitgebracht und auf die Leinwand geklebt oder genagelt. Ein halber Handschuh hängt in der Galerie Barbara Wien, ein Stück Handgestricktes, ein rostiges Hufeisen und zwei Büschel aus Fell und Kunsthaar.

Mit fünf Assemblagen und zwei farbig gefassten Steinen verabschiedet sich der indianische Objekt- und Performancekünstler von Berlin: Durham geht nach Rom, und wer die rastlos klingende Biografie des 1940 in den USA geborenen DAAD-Stipendiaten von 1998 liest, der kann es angesichts seiner vorigen Stationen in Genf, New York, Mexiko, Brüssel und Marseille schon bemerkenswert finden, dass er überhaupt so lange an einem Ort geblieben ist.

Auf kleinem Raum rauscht die Ausstellung durch jenen gewaltigen Fundus an Themen und Materialien, den Durham seit langem individuell interpretiert. Ein imposanter getrockneter Pilz ist ebenso dabei wie funkelnde Reste aus Plastik und immer wieder Steine, roh oder bearbeitet. Ein wenig wirken die Bilder wie Seiten einer Enzyklopädie, deren eigenartige und dennoch wunderbar komponierte Objekte den Kosmos des Künstlers erhellen, der die Gegenstände teils auch in Texten kommentiert. Darüber hinaus bleibt sich Durham, der Kapitalismuskritiker mit langem Atem, unbedingt treu: Die seltsam schönen Assemblagen und beiden Skulpturen sind aus nichts anderem gemacht als Wohlstandsmüll.

Galerie Barbara Wien, Linienstraße 158, bis 1. Juli; Dienstag bis Freitag 11 – 18 Uhr, Sonnabend 12 – 18 Uhr.

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