Kultur : Joachim-Felix Leonhard: Vermarkten oder vermitteln?

Christiane Peitz

An der Sprache sollst du sie erkennen: Wo, wenn nicht beim Goethe-Institut als dem wichtigsten Vermittler deutscher Sprache, hätte diese Weisheit besondere Gültigkeit? Wie also spricht der frisch gewählte Generalsekretär Joachim-Felix Leonhard, der sein Amt im Frühjahr antreten wird?

Eine Kulturagentur sei Goethe, eine Art Relaisschalter, meint der Historiker und Direktor des Deutschen Rundfunkarchivs bei seiner ersten Pressekonferenz in der Berliner Goethe-Filiale. Und weist auf die zu verstärkende Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Akademie der Künste oder der Stiftung Weimarer Klassik hin. Und auf die Absicht, künftig mehr mit europäischen Partnern kooperieren zu wollen, mit dem Institut Français oder dem British Council. Von einer Neudefinition der Zielgruppenarbeit ist die Rede, von den neuen Medien - und vom gleichseitigen Dreieck München (Zentrale), Bonn (Inter Nationes), Berlin (Verbindungsbüro). Klingt geschäftstüchtig, nach Management und Effizienz. Legt sich das gute alte Goethe-Institut ein neues Corporate Design zu?

Anders gefragt: Wohin will Goethe, nach der soeben ratifizierten Fusion mit der regierungsnahen Organisation Inter Nationes? Mehr Abhängigkeit von der Politik sei nicht zu befürchten, betont Präsident Hilmar Hoffmann: Joschka Fischer als der zuständige Minister sei "kulturell so interessiert, dass er sich in unsere Autonomie nicht einmischt. Wir werden auch in Zukunft die Regierungsbulletins nicht versinnlichen". Gleichwohl sei der Stellenwert der Kultur im Zeitalter der Globalisierung keineswegs gesichert. "Die EU gibt 50 Prozent ihrer Subventionen für Agrikultur aus und 0,05 Prozent für die Kultur." Und in der EU-Menschenrechts-Charta sei nur an einer einzigen Stelle die Rede von ihr. Das Goethe-Institut - eine Artenschutztruppe?

Nicht ganz. Ein Spagat sei im 50. Jubiläumsjahr zu bewerkstelligen, heißt es am Rande der Begegnung mit Leonhard. Zwischen modernem Marketing und traditioneller Vermittlung, geostrategischer Planung und Bewahrung respektive kritischer Überprüfung des Klassiker-Kanons. Also zwischen Zeitgeist und gelassenem Widerstand gegen denselben. Leonhards Vorgänger Joachim Sartorius stand den Dichtern und den Künstlern nahe; der Neue kennt sich mit den Medien aus. Vielleicht ist er damit ja nicht der Schlechteste, um das Goethe-Institut Inter Nationen mit seinen nun weltweit 350 Zentren und 3325 Mitarbeitern für die Zukunft fit zu machen.

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