John Heartfield Ausstellung : Der Sieg der Feder

Der Bildkünstler John Heartfield entkam den Nazis nur knapp. Eine Ausstellung in seinem ehemaligen Brandenburger Sommerhaus beleuchtet nun die Zeit im englischen Exil.

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Mit Empfehlung von Brecht. John Heartfield (1891–1968) bezog in seinen letzten Lebensjahren dieses Häuschen im brandenburgischen Waldsieversdorf.
Mit Empfehlung von Brecht. John Heartfield (1891–1968) bezog in seinen letzten Lebensjahren dieses Häuschen im brandenburgischen...Foto: Astrid Landsmann, Freundeskreis

Im Frühjahr 2018 plant die Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz eine große Ausstellung zum Werk John Heartfields. Dann wird der 50. Todestag des Berliner Bildkünstlers sein, dessen politisch wie auch dadaistisch inspirierte Druckgrafiken, Fotomontagen, Bühnenbilder und Buchumschläge die Nazis so gefürchtet hatten, dass sie Heartfield 1933 sofort verhaften wollten. Knapp ist er den Fängen der Gestapo entkommen und über Prag ins englische Exil gelangt, bevor er im Sommer 1950 wieder nach Deutschland (in die DDR) zurückgekehrt und in Ostberlin 1968 gestorben ist.

An seine wenig bekannte Zeit als Emigrant in London erinnert nun eine kleine, bemerkenswerte Ausstellung im John-Heartfield-Haus im brandenburgischen Örtchen Waldsieversdorf. Freund Brecht, der sein Sommerhaus im nahen Buckow besaß, hatte dem zunächst nach Leipzig gezogenen Heartfield (Geburtsname: Helmut Herzfeld) des anregenderen Klimas wegen Berlin und seinem „lieben Johnny“ für „gemeinsame Kamingespräche“ auch die Märkische Schweiz empfohlen.

Freilich erst nach Brechts Tod konnte Heartfield mit seiner Frau das auf einem waldigen Hügel mit Zugang zum eigenen Bootssteg am Däbersee gelegene Holzhaus beziehen. Nach einigem Streit ums Haus und den von Rhododendren, Fliederbüschen und lichten Kiefern gesäumten Garten, ist die Immobilie nunmehr in Gemeindebesitz – und das vom Verfall bedrohte Haus ist mit EU-Mitteln, lokalen Geldern und dem Engagement eines Heartfield-Freundevereins vor sieben Jahren schön grundsaniert als kleines Heartfield-Museum mit teilweise originalem Mobiliar und Erinnerungsstücken von Mai bis Oktober zu besichtigen.

Er war einer der Köpfe der deutschen Emigrantenszene

Die jetzige Ausstellung führt mit Bildern und Dokumenten durch Heartfields Jahrzehnt des Londoner Exil (ab 1938), in dem der einstige Starillustrator der auflagestarken „Arbeiter Illustrierten Zeitung“, der Freund und Partner von George Grosz, der satirisch aggressive linke Plakatkünstler und Buchgestalter des legendären Malik-Verlags mangels Beachtung und Auftraggebern zunächst ziemlich darben musste. Gleichzeitig war Heartfield aber auch ein Kopf der (mitunter von Neid und Streit erschütterten) deutschen Emigrantenszene, er arbeitete im Freien Deutschen Kulturbund und war Mitglied des von Lion Feuchtwanger und Ernst Toller in London gegründeten Deutschen PEN-Clubs im Exil.

Das Motto der Waldsieversdorfer Ausstellung, kuratiert von der Berliner Kunsthistorikerin Anna Schultz, die in der Akademie der Künste unter anderem den grafischen Nachlass von John Heartfield betreut, lautet „The Pen is Mightier“. Da ist natürlich die Feder der Zeichner und Schriftsteller gemeint, und eine 1946 in England erschienene Anthologie mit Anti-Kriegscartoons von Heartfield und anderen Künstlern trug diesen Titel. Aber die kleine Verwechslung, die bei der Ankündigung der Ausstellung einem lokalen Blatt unterlief, hätte Heartfield vermutlich auch gefallen: „The Penis is Mightier“.

Übrigens wird – aus kuratorischen Gründen wie alle seltenen Werke hier als Faksimile – auch das Urvorbild für das Motto präsentiert: eine Zeichnung Goyas aus dem Fitzwilliam Museum in Cambridge, die eine Richterwaage zeigt, auf der ein Schwert und eine Feder liegen. Und Letztere wiegt schwerer.

Die Ausstellung beleuchtet das Verhältnis zu Zeitgenossen

Interessant ist, wie in Waldsieversdorf nun Heartfields Verhältnis nicht nur zur großen englischen Tradition der satirischen, politischen Cartoonkunst mit William Hogarth oder James Gillray dokumentiert wird. Es geht gleichfalls um die Beziehung zu seinen deutschen Zeitgenossen, etwa dem auch im britischen Exil erfolgreichen Zeichner Walter Trier (1890–1951). Trier wurde als Illustrator der Bücher von Erich Kästner berühmt und hat für die sonst von Heartfield gestaltete Buchanthologie „The Pen is Mightier“ den Titel und die Schlussvignette gezeichnet. Man sieht beide nun, aus Heartfields persönlichem Nachlass.

„The Pen is Mightier“, bis 2. Oktober im John-Heartfield-Haus, 15377 Waldsieversdorf (Schwarzer Weg 12, Fr–So, 13–18 Uhr, Eintritt frei, Spenden willkommen).

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