JÜRGEN GOSCH INSZENIERT„Onkel Wanja“ : Alles wird wie früher sein

Sandra Luzina

Die Tschechow-Menschen, die festsitzen in ihrem unerfüllten Leben, sind uns seltsam nahe. Jede relevante Tschechow-Inszenierung erzählt deshalb auch von der Leere und Langeweile der Gegenwart. Jürgen Gosch knöpft sich nun mit „Onkel Wanja“ eines der häufig gespielten Stücke des russischen Arztes und Dramatikers vor, das wie immer Drama und Komödie zugleich ist.

Sonja und ihr Onkel Wanja verwalten aufopferungsvoll das Gut von Sonjas verstorbener Mutter. Von den Erträgen wird der Gatte der Verstorbenen, ein berühmter Professor, alimentiert. Als der verehrte Gelehrte und seine neue junge Frau Jelena aus der Stadt anreisen, kommt es schnell zur Konfrontation. Für Sonja und Iwan Petrowitsch Woinizki, den Onkel Wanja, brechen Welten zusammen. Wanja hat sich hoffnungslos in die Frau des Professors verliebt, und auch Sonjas Liebe zu dem Umweltaktivisten Astrow bleibt unerwidert. Wanja muss zudem erkennen, dass der von ihm bewunderte Professor nichts als ein aufgeblasener Scharlatan ist. Als der Professor das Gut verkaufen will, schießt Wanja auf ihn und verfehlt ihn – und nimmt danach seine öde Arbeit wieder auf. „Alles wird wie früher sein“, lautet die fatale Erkenntnis.

Dem Gefühl von Stillstand und Vergeblichkeit spürt Regisseur Jürgen Gosch mit einem tollen Ensemble nach. Ulrich Matthes (Foto), ein Gosch-Getreuer, demonstriert als Onkel Wanja die Komik des Scheiterns. Constanze Becker spielt die umschwärmte Jelena Andrejewna. Erstmals am DT ist Jens Harzer, Star des Münchner Theaters, zu erleben. Sandra Luzina

Deutsches Theater, Sa 12.1., 19.30 Uhr (ausverkaufte Prem.), So 20.1., 19 Uhr, Do 24.1., Di 29.1., 20 Uhr, 5-43 €

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