Kultur : Jung, jünger, Kunst

Berlins Museen bringen es nicht - aber die Galerien

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Nach langem Hadern habe ich mich entschieden, in Berlin zu bleiben. Entgegen allen Hindernissen, als da wären: ein fehlender Markt vor Ort und mangelndes Engagement der großen Institutionen für aktuelle Kunst wie etwa der vermeintlichen „Galerie der Gegenwart“ im Hamburger Bahnhof und der „Neuen“ Nationalgalerie.

Ansonsten werde ich im zehnten Jahr des Galeriebestehens – gefeiert wird im September auf der Berliner Kunstmesse mit dem Sonderprogramm „10 Years“ – meine hiesigen Aktivitäten weiterentwickeln. Wir planen die Gründung eines privaten Ausstellungs und Produktionsforums, in dem sich internationale und deutsche Sammlungen präsentieren können. Um dieses Forum herum sollen Galerien, Ausstellungsräume und Ateliers entstehen.

Unser Ziel ist es, die in Berlin auf musealem Niveau fehlende Stimulanz durch privates Engagement (das folgerichtig auch auf die „Museumsweihen“ verzichtet) teilweise auszugleichen. Auf diese Weise bringen wir wichtige, in den bisher nach Berlin geholten Sammlungen wie Flick oder Newton fehlende Positionen sowie zusätzliches kreatives Kapital in die Stadt. Wir erhoffen uns dadurch eine Motivation für die lokalen Sammler und Förderer. Möglichkeiten gibt es allüberall. Ich glaube an den „Wettbewerb“ auch der Förderer, der dem Kunstbetrieb nur Gutes bringt – schließlich ist er in Berlin mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Und more is more auch für Berlin. Ich will also meine Kraft künftig nur noch konstruktiv einsetzen und mich streiten, wenn es Sinn macht, ansonsten aber für Berlin als die weltweit spannendste und vitalste Kunstszene engagieren. Wer sich von der unglaublichen Energie dieser Stadt nicht anstecken lässt, bringt sich um viele Freuden.

Was die „Kunst der Zukunft“ sein könnte, ist jenseits meiner Vorstellungskraft, denn Kunst entsteht in der Aktualität. Deshalb ist sie auch so schwer zu fassen, einzuschätzen und längerfristig zu bewerten. Und darum ist es auch so anstrengend, die aktuelle Kunst zu lieben – uns fehlt der Abstand zur eigenen Zeit und ihren Konflikten.

Woran ich aber glaube, ist die Kraft der Kunst und der Künstler. Ich denke dabei an das Engagement und das kritische Potenzial der Arbeit von Thomas Hirschhorn, an die mutigen öffentlichen Inszenierungen Sophie Calles, die genialisch alchemistischen Entwürfe Keith Tysons und die Erzählwelten Nedko Solakovs. Diese Künstler setzen der Überflut und den Bedrängnissen der Welt ihren eigenen Kosmos entgegen. Auch wenn sie die Welt nicht verändern können, so doch unsere Sicht auf die uns umgebenden Dinge – und das ist in vielen Fällen schon sehr viel.

Der Autor leitet die Berliner Galerie Arndt + Partner. Foto: Galerie

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