Kultur : "Just arrived": Phase rot

Jürgen Tietz

Die Unterschiede zwischen Indien und Bremen könnten kaum größer sein. Hier der winzige deutsche Stadtstaat, dort der gewaltige Subkontinent. Und doch besitzen Indien und Bremen - zumindest in Berlin - eine Gemeinsamkeit. Sowohl die Bremer Landesvertretung als auch die Indische Botschaft, beide am Rand des Tiergartens gelegen, wurdem von den Berliner Architekten Hilde Léon, Konrad Wohlhage und Sigfried Wernik entworfen. Eine Ausstellung in der Galerie Aedes West stellt jetzt beide Bauten unter dem Titel "Just arrived" vor - und macht dabei deutlich, warum Léon Wohlhage Wernik zu den ambitioniertesten deutschen Architekturbüros zählen.

Schon die ungewöhnliche Farbwirkung des roten Sandsteins der indischen Botschaft in der Tiergartenstraße und die rote Putzfassade der Bremer Landesvertretung am Landwehrkanal verbindet beide Bauten optisch. Obwohl beide Häuser eine unterschiedliche Grundrissstruktur besitzen, so erweisen sie sich doch gleichermaßen als komplexe Raumkunstwerke. Neben aller Funktionalität, die für das Tagesgeschäft der diplomatischen Vertretungen unabdingbar ist, zeigen sie ein großes Maß an skulpturaler Wirkung. Mit der Botschaft und der Landesvertretung haben Léon Wolhage Wernik eine lustvolle Architektur verwirklicht, die den Besucher neugierig macht und einlädt, die Bauten in allen ihren Facetten zu erkunden. Überraschende Durchblicke, interessante Materialien, unerwartete Treppen und erstaunliche Raumwirkungen begleiten ihn. So schön kann moderne Architektur sein.

Ebenso poetisch wie die Architektur ist auch die Ausstellung. Brief, Umschläge, Grundrisse mit handschriftlichen Änderungen sowie Mustervorlagen etwa für die indischen jalis lassen den Betrachter - zumindest optisch - am kreativen Prozess des Bauens teilhaben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben