Kultur : Kalaschnikows im Nebel

KUNST

Tobias Lehmkuhl

Nebelhafte Flecken zeigen eine verunsichernde Verwischtheit an, die an Francis Bacon erinnert. José Ramón Amondarain, einer von drei Preisträgern des baskischen Gure-Artea-Preises, liebt die schwarze Air-brush. Und tatsächlich finden sich auf einem der Gemälde und Zeichnungen unter der Sprühtechnik Fratzen, die eine deutliche Reminizens an Bacon sind.

Die beiden anderen Preisträger heißen Jon Mikel Euba und Pepo Salazar. Alle drei stellen derzeit in den großzügigen Räumen des Bethanien aus (Mariannenplatz 2, Mi-So 14-19 Uhr. bis 14. März. Drei Einzelkataloge). Sie sehen sich explizit als Basken. Explizit politisch will die Ausstellung junger baskischer Künstler aber nicht sein. Einzig Eubas Bilder und Videos erinnern an die Situation im Baskenlandes. Auf den großformatigen, angerissenen und scheinbar lieblos nebeneinander, teils übereinander gehängten Bilder stehen Sprechblasen mit fragenden und auffordernden, letztendlich aber rätselhaft bedrohlichen Sätzen. Sie vermitteln eine aufgeladene Athmosphäre der gewaltsamen Eskalation.

Daneben zeigt ein Video, „Negroes“ betitelt, eine groteske Szene. Schwarz angemalte Menschen verrichten an einem schwarzen Auto unerklärliche Tätigkeiten. Hier öffnen sich vielfältige Bezüge auf ein Land im Ausnahmezustand – man denkt an die Diskriminierung spanienfreundlicher Basken wie an im Fernsehen auftretende maskierte ETA-Terroristen, an die zackigen Bewegungen der Angst und das Wedeln mit Kalaschnikows. Durchkreuzt wird diese Assoziation von einer absurden Komik, die Eubas Arbeiten kennzeichnet. Genauso grotesk und absurd-komisch ist Pepo Salazars daneben ausgestelltes Werk, allem voran das Video einer Performance mit Feuerlöschern. Sie ist hochdramatisch inszeniert, unterliegt durch die Sinnlosigkeit der Handlungen aber einer enormen Fallhöhe. Salazars spielerischer Umgang und sein aktionistischer Gestus des Unvollendetenvermittelt eine Lebendigkeit, wie sie in der Videokunst selten ist.

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