Kultur : Kampf gegen Terror: Sie rüsten sich

Birgit Cerha

Der Krieg der Worte wird schärfer. Nach ihren militärischen Erfolgen in Afghanistan lenken amerikanische Politiker ihre Aufmerksamkeit auf den Irak und den "üblen Mann" - wie es US-Präsident George W. Bush ausdrückt -, Saddam Hussein. US-Außeminister Colin nennt ihn einen der "größten Terroristen auf dem Angesicht der Erde".

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Und der gibt sich entschlossen. "Jeder, der glaubt, Irak kann die Arroganz dieser oder jener Macht akzeptieren, sich ihrem Willen beugen, der irrt sich gewaltig", sagt ein Sprecher des Diktators. Die Aufforderung der Vereinigten Staaten, UN-Waffeninspektoren wieder ins Land zu lassen, kontert Bagdad mit der Gegenforderung: Die Vereinten Nationen sollten erst die mehr als zehnjährigen Sanktionen gegen den Irak und die Flugverbotszonen über dem Norden und Süden des Landes aufheben. Und abschließend heißt es herausfordernd: "Bagdad wird sich keinen Drohungen beugen, nur der Gerechtigkeit."

Die militärischen Erfolge der Amerikaner gegen die islamistischen Taliban in Afghanistan haben das irakische Regime zutiefst irritiert und verstärken am Tigris die Angst, der Irak könnte nun das nächste Ziel der USA im Krieg gegen den internationalen Terrorismus sein. Entschieden weist Bagdad jede Verbindung zu den Terroraschlägen in den Vereinigten Staaten vom 11. September und dem Al-Qaida-Terrornetz Osama bin Ladens zurück.

Dabei gibt es zahlreiche Anzeichen für Kontakte zwischen Osama bin Ladens Männern und hohen Vertretern des Regimes von Saddam. So bestätigten etwa die Prager Behörden, dass einer der engsten Genossen bin Ladens, Mohammed Atta, in der tschechischen Hauptstadt mit einem führenden irakischen Geheimdienstoffizier zusammengetroffen sei, um Pläne für ein Attentat auf das Gebäude des anti-irakischen "Radio-Free-Europe"-Senders zu diskutieren. Die Begegnung lässt die Existenz von Kommunikationskanälen zwischen dem Irak und der Al Qaida vermuten. Doch eindeutige Beweise gibt es nicht, ebensowenig für irakische Verwicklungen in die Attentate vom 11. September in Washington und New York.

Noch immer im Krieg

"Für Saddam" aber, so erläutert ein jüngst desertierter irakischer Offizier, "hat der Kuwait-Krieg (in dem eine von den USA geführte internationale Allianz irakische Invasionstruppen aus Kuwait vertrieb) nie geendet." Saddam "steht auch heute noch im Krieg mit den USA. Das hat man uns immer wieder eingetrichtert", sagt der Offizier.

Beweise gibt es auch keine dafür, dass Saddam hinter der Serie von Milzbrand-Anschlägen in den USA steht. Doch dass der Irak auch heute noch über biologische Waffen verfügt, bezweifeln Experten wiederum nicht. Zwar sei im Laufe von mehr als hundert Inspektionen das biologische Waffenprogramm weitgehend zerstört worden. Al-Hakun, die wichtigste Anlage zur Herstellung von biologischen Waffen, insbesondere von Milzbrand-Erregern, wurde komplett in die Luft gesprengt. Dasselbe passierte auch mit etlichen anderen biologischen Produktionsanlagen. UN-Waffeninspektoren, die nach den Bestimmungen der Waffenstillstandsresolution von 1991 alle irakischen Massenvernichtungsmittel zerstören sollten, bestätigten am Ende einer siebenjährigen Tätigkeit 1998, dass man große Fortschritte erzielt hatte. Doch es sei unmöglich gewesen, sicherzustellen, dass die gesamte Kapazität zur Herstellung biologischer Waffen vernichtet worden sei, betonen sie.

Erreger von Masern

Seit Ende 1998 die UN-Waffeninspektoren im Vorfeld von viertägigen heftigen Militärattacken der Vereigten Staaten den Irak verließen und nicht mehr zurückkehren durften, nutzte Bagdad nach Überzeugung vor allem der USA die Zeit, um wieder aufzurüsten.

Nach jüngsten Berichten eines abgesprungenen irakischen Geheimagenten sollen in "Salman Pak", dem Zentrum der geheimsten irakischen Militärprojekte südlich von Bagdad, irakische Wissenschaftler heute an einem biologischen Waffenprogramm arbeiten. Neben Milzbrandbakterien sollen die Iraker auch über Erreger von Masern verfügen, die sie in den vergangenen Jahren von Russland gekauft hätten.

Die Angst vor biologischem Terror sowie Iraks Weigerung, die Waffeninspektoren der Vereinten Nationen wieder ins Land zu lassen, böte den Amerikanern ausreichend Anlass zu massiven Schlägen gegen den Irak.

Das Zweistromland fühlt sich somit als das nächste "Opfer" der USA. Bereits seit Wochen werden intensive Schutzmaßnahmen gegen amerikanische Angriffe getroffen, die - so die Befürchtung - so massiv sein könnten wie seit 1991 nicht mehr. Zahlleiche Fabriken wurden evakuiert. Garnisonen an der Grenze zu dem unter alliiertem Schutz stehenden kurdischen Nord-Irak werden verstärkt militärisch abgesichert, um einen möglichen Vorstoß aus Kurdistan abwehren zu können. Auf den Dächern öffentlicher Gebäude wurden Luftabwehrinstallationen stationiert.

Die herrschende Baath-Partei startete eine Kampagne, um die Öffentlichkeit auf die drohende Gefahr aufmerksam zu machen. Iraks stellvertretender Ministerpräsident Tareq Aziz, auch Saddam selbst, geben sogar vor, die Dimension der Angriffe zu kennen. Sie sprechen von einem anglo-amerikanischen Komplott zum Sturz des Regimes durch Attacken gegen 300 strategische Ziele mit tausend Raketen.

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