Kultur : Karpfen für die Familienehre

Im Kino: Didi Danquarts Liebesfilm „Offset“

Christina Tilmann

Am schönsten sind die Szenen zwischen Vater und Tochter. Sie will einen Deutschen heiraten, er will ihn und seine Verwandtschaft angemessen in der engen Wohnung in Bukarest empfangen. Also wird ein riesiger Karpfen gekauft und zubereitet. Und als man gemeinsam an der festlich gedeckten Tafel sitzt, Katharina Thalbach und Manfred Zapatka als unbeholfene Gäste, entwickelt der Schauspieler Valentin Platareanu einen unglaublichen Charme: Er radebrecht auf Französisch und Rumänisch und tut alles, um die Stimmung aufzulockern. Am Ende, man ahnt es, gehen seine Pläne fürs Töchterchen doch nicht auf.

Didi Danquarts Film „Offset“ muss ein besonderes Erlebnis für Alexandra Maria Lara gewesen sein. Die in Bukarest geborene und als kleines Kind mit den Eltern nach Berlin ausgereiste Schauspielerin steht erstmals wieder in ihrer Heimatstadt vor der Kamera – und gibt mit ihrem Vater Valentin Platareanu auch im Film ein Vater-und-Tochter-Paar. Das gibt ihren Szenen jene Nähe und Authentizität, die der sonst doch sehr gesuchten Filmhandlung fehlt.

Winter in Bukarest. Schneematsch auf den Straßen. Der deutsche Ingenieur Stefan (Felix Klare) hat in einer Druckerei eine Offset-Maschine eingerichtet und sich in die schöne Sekretärin Brindusa (Alexandra Maria Lara) verliebt, man hält Händchen und tanzt Walzer auf der Straße. Nun steht die Hochzeit an – mit allerlei Raum für Irrtümer und Missverständnisse. Regisseur Didi Danquart und Drehbuchautor Cristi Puiu spielen das genüsslich aus. Die Autos, die Aufzüge, das Essen, nichts gefällt den Deutschen, während die Rumänen über die Prinzipientreue ihrer Gäste spotten. Das spitzt sich zu, in teils wunderbar abstrusen Szenen, bis die Waffen gezogen werden.

Während die deutschen Ingenieure auf korrekten Gebrauchsanweisungen bestehen, kühlen die Rumänen ihr Mütchen aus Eifersucht oder Machtgefühl und erwarten Wunder, wo eher Wissen gefragt wäre. Und wo die einen ihre EU-Fähigkeit beweisen wollen, wähnen sich die anderen im hintersten Hinterland. Der cholerische, ältliche Druckereibesitzer (Razvan Vasilescu), der um sein Unternehmen – und seine Sekretärin – kämpft, ist eine fast ins Lächerliche vorgeführte komische Figur – und doch der einzige komplexe Charakter im Spiel. Vielleicht ist das, was als lustiges Missverständnis verkauft wird, eher ein interkulturelles Vorurteil? Eine schale Vermutung: Sie ist das, was am längsten von „Offset“ hängen bleibt.

Blow Up, Hackesche Höfe, Kant

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