• Keine Gewinner, nur Verlierer - Der Leiter der Villa Massimo in Rom nach der Verhandlung

Kultur : Keine Gewinner, nur Verlierer - Der Leiter der Villa Massimo in Rom nach der Verhandlung

Elfi Kreis

Wäre dies ein Sportbericht statt einer Gerichtsreportage von der Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht in Berlin, das Ergebnis hätte "Unentschieden" lauten können. Jürgen Schilling, Direktor der "Deutschen Akademie Villa Massimo" in Rom, hatte Klage gegen seinen Arbeitgeber, die Bundesrepublik Deutschland, eingereicht. Sie richtete sich gegen seine Zwangsbeurlaubung. Auf Anweisung von Kultur-Staatsminister Michael Naumann war Schilling am 9. Dezember unbefristet vom Dienst suspendiert worden. Doch schon kurz nach Verhandlungsbeginn zog Rechtsanwalt Schäfer als juristischer Vertreter der Bundesregierung die fristlose Kündigung Schillings aus der Aktenmappe. Die Begegnung vor der 86. Kammer des Berliner Arbeitsgerichts bekam dadurch noch mehr Dramatik. Auf der Klägerseite - Schilling und sein Rechtsanwalt Lothar C. Poll - wurden die Gesichter zusehends länger. Von Anfang an hatte der Anwalt der Bundesregierung durch die eidesstattlichen Erklärungen von Zeugen die überzeugenderen Argumente. Das Verfahren endete mit einem "in beiderseitigem Einvernehmen" geschlossenen Vergleich. Mit 31. Januar scheidet Schilling aus. Beide Parteien halten die wechselseitigen Vorwürfe nicht aufrecht. Schilling erhält eine Abfindung von 60 000 Mark, was rund der Hälfte der bis Ende 2000 zu erzielenden Bruttobezüge entspricht.

Die Prozess hat ein langes Vorspiel. Schilling werden Unregelmäßigkeiten der Geschäftsführung bis hin zu Illoyalität sowie Beleidigung von Beamten und Mitarbeitern vorgeworfen. Diese Anschuldigungen stützen sich auf ein eigens von seiner Bonner Fachaufsichtbehörde bestelltes Gutachten des Bundesrechnungshofes. Mit der Behördeaber liegt Schillig seit seiner Berufung Ende 1992 im Dauerclinch. So titulierte er zweiMitarbeiter des Innenministeriums unter anderem als "Beamtenärsche".

Die gegen Schilling erhobenen Vorwürfe entbehren nicht der Pikanterie. So das Prozedere seiner Suspendierung: Sie erfolgte nicht etwa mit Einschreiben, sondern wurde Schilling persönlich durch zwei Boten in Rom übergeben. Die Reisekosten gehen zu Lasten der Staatskasse, versteht sich. Schilling aber wird unter anderem vorgeworfen, er sei Taxi gefahren, statt den billigeren Bus zu benutzen. Eines der wenigen Beispiele, die detailiert zur Sprache kamen: Schilling habe seinen Fachaufsichtsbeamten Inkompetenz vorgeworfen. Die vorangegangene Frage der Rechnungsprüfer lautete, warum er sich um den Druck von Büchern der in der Villa Massimo gastierenden Autoren persönlich kümmere, was doch Aufgabe der Verwaltungsbeamten sei. Diese seien des Italienischen nicht mächtig und damit überfordert, lautete Schillings Antwort. Außerem kritisierte er vehement die Entscheidung, ausgerechnet im "Heiligen Jahr" die Villa Massimo wegen Sanierung zu schließen. Stipendiaten mußten deshalb ausgeladen werden.

Ein Gerichtsvergleich mit Vernunft? Eines darf nicht vergessen werden: Der einstige Leiter des Kunstvereins Braunschweig sorgte in Rom für frischen Wind. Aus dem Stipendiatenkloster wurde ein offenes Haus mit Lesungen, Ausstellungen, Konzerten, Ballettabenden. Schon 1997 sollte sein Vertrag nicht verlängert werden, wurde dann aber höher dotiert. So schlecht kann seine Arbeit also nicht gewesen sein. Der Verdacht liegt nahe, dass der unbequeme Mann während der Sanierung gleich mit abserviert werden sollte. Letztlich aber gibt es nur Verlierer - Schilling ist seine Arbeit los, und die deutsche Kulturpolitik hat womöglich in Rom an Ansehen verloren.

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