Kultur : Keine Insel der Seligen

Eigentlich hätte 1998 ein Erfolgsjahr der Staatlichen Museen in Berlin werden können, wäre es nur bis zur Sommerpause gegangen.Nach der glanzvollen Eröffnung der Gemäldegalerie im ersten Halbjahr wollte man im Kunstherbst nur noch die verschiedenen Ausstellungen - Fontane! Gauguin! - genießen.Ausgerechnet die Museumsinsel, die seit dem einvernehmlich mit der Denkmalpflege verabschiedeten Chipperfield-Entwurf für das Neue Museum befriedet wirkte, kommt nun wieder ins Gerede.Der offensichtlich vorschnell von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder dem Kulturausschuß vorgelegte und dann an Außenminister Klaus Kinkel weitergeleitete Antrag, die Museumsinsel als Weltkulturerbe auf die Unesco-Liste setzen zu lassen, hat den alten Streit zwischen Denkmalschützern und Museumsleuten erneut aufflammen, die anhaltende Gefährdung der Museumsinsel deutlich werden lassen.Wenn die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nun im letzten Moment Nachbesserungen wünscht, mag dies formal möglich und aus der Sicht der Museumsleute nötig sein.Für den Außenstehenden wirkt das jedoch wie ein Rückzieher.Der Eindruck, der entsteht, könnte kaum fataler sein.Ist die Stiftung an einer Aufnahme in die Unesco-Liste nicht interessiert, um ungestört ihren Umbauvorhaben nachkommen und das einmalige Ensemble für den Massentourismus tauglich machen zu können? Beobachtern der Szene bleibt ohnehin unverständlich, daß die Konfliktlinie ausgerechnet zwischen Denkmalpflegern und Museumsvertretern verläuft, die doch eigentlich am gleichen Strang ziehen sollten.Was dem Kurator sein Kunstwerk, ist dem Denkmalschützer das zu erhaltende Gebäude: sein höchstes Gut.Zumal bei einem so hochrangigen Objekt wie der Museumsinsel, die in ihrer Gesamtheit für europäische Kulturgeschichte steht.Die Aufregung, die das Hin und Her um den Unesco-Antrag auslöst, sollte der Stiftung klarmachen: Die Museumsinsel ist keine Insel der Seligen.Die sich seit Jahren hinauszögernden Baumaßnahmen haben Berlins erste Kulturadresse eher wie einen vernachlässigten Hinterhof aussehen lassen und sind deshalb ein Dauerreizthema.Wenn die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nun für sich reklamiert, zu spät in die Antragsformulierung einbezogen worden zu sein, nicht genügend Zeit zur Ausarbeitung der Pläne bekommen zu haben, so klingt dies kaum noch nachvollziehbar.Die Peinlichkeit und auch der ungünstige Eindruck bleibt auf Stiftungsseite.Dabei hätte 1998 zumindest auf Museumsseite ein so schönes Jahr werden können.

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