Kultur : Keine Kommentare: Zeig mir deinen Rüssel

S. H.

Wer "Flusspferde" (1993), den letzten Film von Karl Kels gesehen hat, dem kommt das Szenario von "Elefanten" eigenartig vertraut vor. Auch hier wieder der unbeirrt starre Kamera-Blick auf die Vorderfront eines Zoo-Wohngeheges. Wieder drei Tore. Es ist wenig überraschend, dass es diesmal Elefanten sind, die diese ferngesteuerten Öffnungen rhythmisch entlassen und bergen - zumindest in einem Teil der Einstellungen.

Das Elefantenhaus des Wiener Zoos, wo Kels seinen Film gedreht hat, wurde zwischenzeitlich zu einem Affenhaus umgebaut. Dieser Umbau wird auch dokumentiert. Der Film zeigt das Vorher und Nachher. Er zeigt die Bulldozer und Raupen, die Erde und Bäume bugsieren. Dazwischen manchmal Zweibeiner, die gruppenweise auf dem Gelände herumspazieren. Vermutlich sind es Landschaftsarchitekten und Bauingenierure, die das Terrain sondieren. Das muss man sich denken, erklärt wird es einem sowenig wie alles andere: keine Kommentare. Auch die Chronologie der Ereignisse wird nicht eingehalten. Mal sieht man Paviane, dann wieder Elefanten, und ist beim Ordnen des Gesehenen ganz auf die eigene Wahrnehmung zurückgeworfen. So lässt sich sinnieren über Veränderung und Kontinuität und die ästhetischen Differenzen zwischen damals und heute.

Andere mögliche Fragen: Wie bewegen sich Affen im Vergleich zu Architekten? Was machen Licht und Schatten für die Stimmung eines Ortes aus? Und warum bewegen sich Zoo-Elefanten meistens quer zur Filmoberfläche? Oder hat Kels sie auf diesen Efffekt zurecht geschnitten? Das wäre schon Zensur! Eigentlich sind da nur ein paar Elefanten. Vielleicht sehen Sie einen völlig anderen Film.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben